Fotos zwischen Beauty-Retusche und Fälschung

Wenn es um sog. Beauty-Retusche geht, dürfen m. E. kritische Anmerkungen nicht fehlen. Als Fotojournalist stehe ich einer Bearbeitung, die über globale Helligkeits- oder Kontrastanpassung hinaus geht, sehr skeptisch gegenüber — anders als beispielsweise Designer.

Mit dieser Retusche wirbt Glamya (Quelle: Glamya)

Mit dieser Retusche wirbt Glamya
(Montage aus zwei Beispielbildern, Quelle: Glamya)

Ob “gut” oder “schlecht”, wichtig ist, daß Verbraucher darum wissen und es einschätzen können. Es gibt ja immer mal wieder Fotostrecken, die vorher/nachher gegenüber stellen. Manchmal erscheinen sie unter “lustige Bilder” wg. grotesker Fehler, manchmal sollen sie auch der Werbung für entsprechende Software oder Dienstleister dienen.

Bei Glamya werden Retusche-Aufträge über eine Plattform vermittelt (Bild: Glamya)

Bei Glamya werden Retusche-Aufträge über eine Plattform vermittelt
(Bild: Glamya)

Doch außerhalb dieses Kontextes sind solche Bilder besonders problematisch, da die Könner des Fachs sie so bearbeiten, daß sie eben nicht als bearbeitet erkennbar sind. Das betrifft natürlich nicht nur Gesichter, sondern “traditionellerweise” auch UFO-Bilder. Ein Foto ist nicht mehr länger ein “objektiver Beleg”.

Obwohl die Manipulation von Bildern schon eine lange Bilder, die lügen (Quelle: a. a. O.)Tradition hat, ist Literatur dazu eher rar: Begleitend zur Ausstellung im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erscheint “Bilder, die lügen: X für U“.

Bilder, die lügen (Quelle: a. a. O.)

Ein neueres Buch ist “Bilder, die lügen (Digitale Gefahr für die Medien?)” aus dem auch der abgebildete Ausschnitt mit dem Tourist Gay stammt, das angeblich kurz vor dem Anschlag auf das WTC aufgenommen worden sein soll — technisch kaum beweisbar…

Einen Ansatz, Manipulationen technisch zumindest an JPG-Bildern zu erkennen, bietet der “Image Error Level Analyser“. Er basiert auf der Idee, daß sich auf Grund der verlustbehafteten Komprimierung eines JPG-Bildes sich nach einer Bearbeitung unterschiedlich stark “verstümmelte” Regionen in einem Bild feststellen lassen. Das Tool arbeitet nur online — das zu prüfende Foto muß also auch online verfügbar sein — und berücksichtigt logischerweise nur JPG-Bilder. Als “Built over a lazy weekend with django” zeigt es als Ergebnis das Bild mit Errorlevels an, eine Interpretation bleibt dem Nutzer überlassen. Weitere Information findet man bei “Image Ballistics and Photo Fingerprinting” (The Hacker Factor Blog, insb. in der Kategorie “Image Analysis“). Die Beiträge richten sich allerdings eher Analyseprofis. Wieder etwas bodenständiger ist die Arbeit “A perceptual metric for photo retouching” (PDF) zu der auch einige Bildbeispiele gehören (umschaltbar durch “Toggle”).

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