Fotografieren mit dem Smartfon (kostenloses E-Buch)

Es ist schon wieder passiert. Gerade habe ich eine E-Mail mit dem Hinweis auf ein kostenloses E-Buch zur Smartfon-Fotografie bekommen. Der Hinweis allein reicht dem Absender nicht, sondern es wird nachgefragt, ob ich denn schon Gelegenheit hatte, es zu lesen…

Smartfon-Fotografie punktet vor allem mit Effekten (Quelle: a. a. O. , S. 41)

Smartfon-Fotografie punktet vor allem mit Effekten.
(Quelle: a. a. O. , S. 41)

Nein, hatte ich nicht. Jetzt “mußte” ich ja wohl. Selbst schuld. Wenn man etwas bejubelt, fragt keiner nach. Kritisiert man etwas, muß man es begründen…


Wischiwaschi

Der Titel von Jürgen Kroder verspricht “Professionell fotografieren mit dem Smartphone” (im Buch selbst nur noch “Smartphone Fotografie”) und umfaßt folgende Kapitel:

  1. Einleitung
  2. Die Vor- und Nachteile von Smartphones
  3. Allgemeine Tipps
  4. Fotografie-Tipps
  5. Empfehlenswerte Foto-Apps
  6. Instagram
  7. Fazit

Die ersten Kapitel kann man getrost überspringen. Es ist das allgemeine Wischiwaschi, das niemandem wirklich hilft und dem ich in Details sogar wiedersprechen muß, beispielsweise sind m. E. gerade Schnappschuß- und Smartfon-Kameras im Nahbereich ziemlich gut (zumindest, was die Abbildungsgröße angeht; S. 5), Der Tipp mit der Plustaste zum Auslösen der Kamera scheint sich nur auf das iPhone zu beziehen (S. 8) und inzwischen kann man auch bei Smartfon-Kameras vieles manuell einstellen (S. 5). Wenn du keine Ahnung von HDR hast und deine Kamera-App es nicht eingebaut hat, hilft dir die Erklärung von S. 13 meiner Meinung nach auch nicht weiter.

Wie immer ist das “E-Buch” kein E-Buch, sondern ein PDF. Und wie so oft geht Design vor Lesbarkeit, denn das Dokument ist vierspaltig als Doppelseiten auf DIN A4 quer angelegt — somit auf echten E-Book-Readern wie dem Kindle praktisch unlesbar. Allerdings frage ich mich, warum dann die Bilder auf Seite 25/26 ausgerechnet über den Bruch gehen…

Bei einem echten Buch würden die Bilder geknickt... (Quelle: a. a. O. S. 25/26)

Bei einem echten Buch würden die Bilder geknickt…
(Quelle: a. a. O. S. 25/26)

Es ist generell eine Unsitte, Fotobuch à la FotoliaBilder unkommentiert in den Text zu stellen. Es gehört eine Bildunterschrift hinzu, die einen Bezug zum Erklärten hat oder das Bild als “Schmuckbild” outet. Apropos: Viele der Abbildungen scheinen mir auch nicht von einem Smartfon zu stammen, sondern eher Bearbeitungen von richtigen Kameras sein.

Fotobuch à la Fotolia

Ungeachtet dessen finde ich es immer wieder befremdlich, wenn jemand ein Fotobuch veröffentlicht und dann im Quellennachweis nicht nur eine Menge fremder Namen, sondern ausgerechnet Stockfotos auftauchen.

Instagram macht froh

Bei den “Empfehlenswerten Foto-Apps” (S. 31) gibt es endlich einmal ein paar Infos mit Hand und Fuß. Eine zusätzliche Tabelle informiert (S. 45), für welche Smartfons aka Betriebssysteme sie verfügbar sind und ob/was sie kosten — überraschenderweise gibt’s sogar etwas für Microsoft Windows Phone (wobei bei die Lumia-Geräte oft mit überdurchschnittlicher Kamerahardware aufwarten können, Spitzenmodelle sogar DNG bieten).

Die schöne neue Welt mit Instagram (Quelle: a. a. O., S. 53)

Die schöne neue Welt mit Instagram.
(Quelle: a. a. O., S. 53)

Die wahre Leidenschaft des Autors scheint aber Instagram zu gelten (S. 47). Dahinter steckt nicht nur eine Bildverfremdungs-App, sondern auch eine Community. Hier geht der Autor ausführlich auch auf das Drumherum ein (er hat ja schließlich dazu ein Buch “Instagram Für Einsteiger” geschrieben).

Fazit

Daß PDFs immer als E-Books bezeichnet werden schadet wegen der Unhandlichkeit m. E. leider echten E-Books (wobei der Autor ja selbst für Kindle veröffentlicht und es besser wissen müßte). So kann man das Buch leider nur auf einem großen Bildschirm am PC lesen. Die Kapitel 5 “Empfehlenswerte Foto-Apps” und besonders 6 “Instagram” bieten nützliche Tipps. Um “professionelle” Fotografie (wie noch auf der Homepage genannt) geht es dabei allerdings nicht. Auch wenn man mit dem Smartfon fotografiert, schließt dies eine Bearbeitung auf dem Computer nicht aus, was in diesem Buch leider mit keinem Wort erwähnt wird. Ich verwalte inzwischen alles(!) mit Lightroom und bin manchmal selbst überrascht, was möglich ist.

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