Fotografie im rechtsfreien Raum?

Es ist noch gar nicht sooo lange her, da da freuen sich Leute, wenn jmd. mit einem Fotoapparat auftaucht, posieren sogar, ohne Diskussion und “für umsonst”. Inzwischen ist es leider oft umgekehrt: Die einen sind genervt, dieanderen wittern gleich ein Geschäft. Und manche wollen sich leider einfach nur wichtig machen. — Bewegt sich Fotografie im rechtsfreien Raum (Politiker-Lieblingsfloskel für Fotografie und Recht -- zwei Welten... (Symbolbild)Reglementierungsandrohung)? Fotografie zwischen Recht, Respekt und guten Bildern.

Fotografie und Recht
— zwei Welten treffen aufeinander…
(Symbolbild)

Dieser Beitrag ist keine rechtliche Beratung, sondern stellt lediglich einige Quellen vor und kommentiert sie zum Teil.

Auch als Hobbyfotograf kann man sich Ärger einhandeln, vor allem wenn gelungene Bilder nicht nur im engsten Freundeskreis gezeigt, sondern auch ausgestellt oder gar verkauft werden sollen.

Straßenfotografie

Beispiel: Streetfotografie zeigt Eingang zur U-Bahn-Station Steintordas “normale Leben” auf der Straße: Wie sah die Stadt aus, bevor für die 99. Einkaufspassage im 08/15-Stil ein ganzer Wohnblock platt gemacht wurde? Wie sehen Gegenstände des Alltags aus, wo kaufen wir Dinge des täglichen Bedarfs?

Eingang zur U-Bahn-Station “Steintor”.

Fotografieren, was andere für langweilig halten, kann eine Aufgabe der Streetfotografie sein. Schon in den 1930er wird sie von Fotografen dank der mobilen Kleinbildkamera gepflegt. Seit ein paar Jahren erscheint beispielsweise der “Hannover”-Kalender mit Bildern des Fotografen Wilhelm Hauschild (1902 – 1983), der ebenfalls viele Szenen des Alltags festgehalten hat. Leider ist das heute nicht mehr ganz so einfach, denn obwohl das Bild in Zeitung, Fernsehen usw. allgm. akzeptiert ist, werden immer mehr Hürden aufgestellt: In Touristenregionen soll man eine Fotografiererlaubnis kaufen, Musikveranstalter wollen sogar Journalisten das Berichten verbieten oder aus einer Menschenmenge kommt eine einzelne Person und will über das Recht am eigenen Bild belehren…

Rechtlicher Leitfaden

Auf der Homepage der Rechtsanwälte Karsten + Schubert findet man den Leitfaden “Fotorecht für Fotografen” — stolze 90 Seiten, Stand April 2010 und gratis zum Download — vielen Dank dafür. Das Ziel beschreiben die Autorinnen folgendermaßen:

In diesem Skript behandeln wir die grundlegenden Fragen, die sich Fotografen bei ihrer täglichen Arbeit stellen sollten. Welche Rechte muss ich beim Abbilden von Architektur und Kunst beachten? Darf ich Designgegenstände oder Markenprodukte ohne weiteres fotografieren? Was muss ich beim Fotografieren von Menschen beachten? Welche Rechte stehen mir als Urheber zu? Wie räume ich Nutzungsrechte an meinen Fotografien ein? (Quelle: a. a. O.)

Genau das sind die Fragen mit denen sich nicht nur ein gewerblicher Fotograf herumschlagen muß, sondern auch immer öfter engagierte Amateure, die nicht nur Mutti vor dem Eiffel-Turm fotografieren… Aus z. T. ganz unerwarteten Ecken kann Ungemach drohen (sehr kurze und rechtlich unverbindliche Zusammenstellung):

  • Personen : Das Recht am eigenen Bild muß a) bei der Aufnahme und b) bei der Veröffentlichung beachtet werden. Knackpunkt sind Fragestellungen wie “Person als Teil einer Gruppe/Menschenmenge” sowie “Person der Zeitgeschichte”, die sich Öffentlichkeit bis zu einem gewissen Grad gefallen lassen muß.
  • Gebäude: Einerseits kann der Hausherr (Eigentümer) unabhängig von einer Fotoaktion das Betreten eines Grundstücks/Gebäudes verbieten. Andererseits hat bei einer Verwertung u. U. der Architekt mitzureden.
  • Marken: Natürlich darf man ein “noname”-Produkt oder eine Kopie nicht “aufwerten”, in dem man ein fremdes Label aufklebt. Die Lobbyisten haben es aber geschafft, daß erkennbar abgebildete Marken teilweise “Sonderrechte” haben — das kann auch ein im Hintergrund durchfahrender Bus sein auf dem ein Werbeaufkleber prangt…
  • Kunst: Mona Lisa 1 : 1 ablichten und als Postkarte verkaufen geht nicht kann man machen, wenn das zugrunde liegende Werk “gemeinfrei” ist (i. d. R. 70 Jahre nach Tod des Urhebers). Aber auch bei Plastiken, die unmotiviert in der Gegend rumstehen, kann es Probleme geben (siehe auch Eiffel-Turm-Beleuchtung).

Weitere Quellen

Bei Magnus.de befaßt sich der Artikel “Lizenz-, aber nicht rechtefrei” ebenfalls mit Fotos, insb. “freien” Bildern. Auch der Videocast “Blende 8” nimmt sich in Folge 20 des Themas an und spricht in einem Interview mit Rechtsanwalt Steffen Koch exemplarisch einige Bilder durch. Zum Beispiel: Aufnahmen von Personen (insb. Kindern), Markenrecht, relative Person der Zeitgeschichte, Panoramafreiheit in Frankreich, Ablichtung von “Kunstwerken” (wozu denn auch ein Hundertwasserhaus zählt), Verbot der Bearbeitung (Entzerren einer WW-Aufnahme des Hundertwasserhauses).

Folge 20 – Das schwierige Thema »Fotorecht« from Galileo Design on Vimeo.

Der für eine Fotoagentur arbeitende Berufsfotograf Axel Schmidt berichtet auf dem 26C3 (2009) in seinem Vortrag “Das Recht am eigenen Bild und das Ende der “Street Photography”” aus seiner beruflichen Praxis (Video allerdings auch in o. g. Beitrag). Dabei geht es eher empirisch als juristisch ums Recht am eigenen Bild. Alternativ gibt’s den Videomitschnitt von 1 h auf Youtube nur in 6 Teile gestückelt. Auch die Bundeszentrale für Politische Bildung hat sich schon vor Jahren des Themas angenommen und ein Buch “Urheberrecht im Alltag ” herausgegeben.

Geld verdienen

Stichwort “Geld verdienen mit Digitalfotos “: Wenn man Bilder zu Geld machen möchte, braucht man einerseits Inspiration, wo es sich für Gelegenheitsknipser lohnt, andererseits muß man besonders auf die ausgelegten Fallstricke achten. Mit eigenen Digitalfotos im Internet Geld verdienen (Bild: Data Becker)Data Beckers Ratgeber „Mit eigenen Digitalfotos im Internet Geld verdienen“ zeigt das ganze Spektrum von der Motiv- und Agenturauswahl über die richtige Verkaufsstrategie bis hin zu rechtlichen Hinweisen auf.

Mit eigenen Digitalfotos im Internet Geld verdienen (Bild: Data Becker)

Wie viel kann ich überhaupt mit meinen Fotos verdienen? Welche Motive sind besonders gefragt? Welche Agentur ist für meine Bilder geeignet? Diese und viele andere wichtige Fragen beantwortet der langjährige Fotodesigner und Agenturteilhaber Jörg Pumpa in Zusammenarbeit mit den auf Neue Medien spezialisierten Rechtsanwälten Dr. Volker Herrmann und Michael Terhaag. Dabei werden sowohl die wichtigsten Online-Bildagenturen detailliert wie auch alternative Vertriebswege vorgestellt. — Wenn die Entwicklung der “Rechtsprechung” so weiter geht, sollte man immer “‘ne Mark für Rechtsberatung beiseite legen”.

[Kommentar] Als Laie muß man sich besonders über die Sonderrechte von Architekten und Künstlern wundern, denn schließlich wurden sie ja für die Errichtung des Werkes ja bezahlt. Bei Straßenfotografie vorher zu fragen zerstört garantiert den Augenblick und sich hinterher vielleicht noch ein Modelrelease unterschreiben lassen zu wollen, macht Leute auf der Straße eher noch mißtrauischer. — Für meinen Teil kann ich an dieser Stelle versichern, daß ich niemanden schlecht aussehen lassen möchte und nur den banalen Alltag “konservieren” möchte.

Leider gibt es in Deutschland zunehmend eine “Un-Kultur” der Rechthaberei, die von gewissen Personen aus wirtschaftlichem Interesse oder Machtdemonstration gefördert wird. Das sehen wohl auch andere so, wie beispielsweise Carta im Beitrag “Abmahnrepublik Deutschland” darlegt. Auch Niggemeier greift das Thema Abmahnungen auf — erst klagen, dann fragen. — Hoffen wir beim Thema “Recht & Fotografie” auf mehr Gelassenheit.

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