Effekte haschen mit Color Projects

Im Frühjahr 2016 gibt’s als kostenlose Dreingabe einer Fotozeitschrift die Software Color Projects Professional. Doch seit der Installation habe ich nur einmal getestet, ob die Registrierung geklappt hat.

Mit Color Projects geht vieles auf einen Klick.

Mit Color Projects geht vieles auf einen Klick.

Bei der Software geht es um Filmlooks, Texturen und Kreativfilter. Was genau verbirgt sich dahinter, braucht man das?

Das Programm kommt mit einer eigenen Benutzeroberfläche, die mir schon bei Magix nicht sonderlich gefällt sowie teilweise merkwürdige Sprache: “Bild einladen” hört sich nach Party an. Das als PDF hinterlegt Handbuch läßt sich — wie so oft — nicht zum genauen Nutzen oder der Zielsetzung aus und erläutert nur die einfachsten Schritte. Ärgerlich auch, daß die Installation möglicher Plugins für Lightroom oder Photoshop fest auf die alten Versionen eingestellt ist (hier: Photoshop CS6, PS Elements 11 oder Lightroom 4) — und deshalb für die neuen Versionen nicht ohne weiteres installiert werden kann (vielleicht durch manuelle Anpassung?). Immerhin wird nativ RAW unterstützt (hier im Test auf Basis von Canon-CR2).

Praxis

Wie steht’s mit “normaler” Bildbearbeitung? Die RAW-“Entwicklung” mit “Natürlich neutral” liefert ein gutes Ergebnis. Es gibt allerdings keine Möglichkeit eine Verzeichnung zu korrigieren, weder über Profile noch manuell. Noch nicht einmal ein Ausschnitt ist möglich. So schnell an der Grenze…

Effektlose Bearbeitung von RAW mit Color Projects.

Effektlose Bearbeitung von RAW mit Color Projects.

Die Presets in der linken Seitenleiste haben Fantasienamen auf die man nichts geben kann. Dahinter verbergen sich Funktionen in der rechten Seitenleiste, die ansatzweise fachliche bzw. vertraute Begriffe verwenden. Dort kann man auch Film-Looks einstellen, die die Charakteristik alter Analogfilme nachahmen sollen. Ob ein Film-Look überhaupt noch zum Tragen kommt, wenn ein Color-Effekt angewandt wird sei dahingestellt, zumal die ganze Aktion wiederum von der Farbdarstellung des eigenen Monitors abhängt…

Und die aufwendigeren Presets? Mit “Surreal — verblichen” kommt man meiner individuellen Ausarbeitung der Autobahn auf einen Klick schon verdammt nahe. Doch der Teufel liegt bei 1-Klick-Programmen im Detail: Wie mache ich das Bild heller und das Rot wieder etwas kräftiger? Was in der rechten Seitenleiste unter “Expertenmodus” wie eine Auflistung von Effekten aussieht, zaubert bei einigen Einstellungen ganz unten ein Einstellformular hervor, zum Beispiel “Helligkeit-Kontrast-Gamma”. Anders als bei Lightroom wird die Änderung der Regler erst aufs Bild übertragen, wenn du den Schieber losläßt. Das führt gerade bei Feinabstimmung zu viel Klickarbeit.

Vergleich Lightroom -- Color Projects.

Vergleich Color Projects (links) — Lightroom (rechts).

Bei “gewählte Effekte” wird eine Art Protokoll geführt. Das Schöne daran sind die vorangestellten Checkboxen, so daß du nachträglich einen Effekt auch ausschalten — oder wieder hinzuschalten kannst.

Fazit

Ich habe mit Color Projects einen Nachmittag herumgespielt — und meinen Spaß gehabt. Trotzdem frage ich mich, für wen die Software eigentlich gedacht ist? Es ist durchaus “ernsthafte Bildbearbeitung” eines RAW(!)-Bildes möglich wie das gute Ergebnis meines Flohmarktbildes zeigt. Für eine detaillierte Steuerung sollte man sich aber schon einigermaßen mit Bildbearbeitungsfunktionen auskennen. Das widerspricht ein wenig dem 1-Klick-Konzept dieser Software. Da die Einstellungen in der Regel auf das gesamte Bild angewandt werden, hat die Bearbeitung allerdings ihre Grenzen.

Die Effekte liefern zum Teil interessante und überzeugende Ergebnisse, die man über das “Protokoll” bis zu einem gewissen Grad beeinflussen kann. Doch wieviele Hundert Bilder möchtest du mit Effekten versehen, damit sich der Preis von 40 oder sogar über 100 Euro rentiert? Es besteht die Gefahr der Effekt-Hascherei. Auch werden recht aufwendige einzelne Bilder bearbeitet, eine Stapelverarbeitung findet nicht im Sichtmodus statt, nicht vergleichbar mit dem Leuchtpult (Katalog) von Lightroom.

Wenn es um einen eher dezenten “Look” geht, kannst du mit “Vorgaben” (Presets) in LR schon einiges erreichen, zum Beispiel meinen Lomo-Effekt. Texturen oder starke, verfremdende Bearbeitung ist dann eher Sache der (zusätzlichen) Filter von Photoshop bzw. Photoshop Elements. Mit Color Projects hat man eine Software, die sich praktisch nur auf die Filter konzentriert — aber zur Vorbereitung oder Nachbearbeitung brauchst du dann doch noch eine “richtige Bildbearbeitung”. Dann sollte man vielleicht doch auf die Plugins zurückgreifen und Color Project eher als Filtersammlung verstehen. Wenn du nicht eine ganz bestimmte Funktion suchst, ist Greyc’s Magic for Image Computing — kurz G’MIC — eine interessante Alternative — und völlig kostenlos. Es handelt sich um eine umfangreiche Filtersammlung für die ebenfalls kostenlose Bildbearbeitung Gimp. Und wenn du sowieso nur auf dem Niveau von Handy-Fotos arbeitest, reicht wohl Instagram & Co. oder eine der vielen kostenlosen Apps.

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