E-Buch Outdoorfotografie — spare dir die Zeit es zu lesen

Penetrant werde ich von einer Agentur aufgefordert, doch eine Rezension zu einem kostenlosen Fotoratgeber zu schreiben. Outdoor-Fotografie RatgeberEs hatte schon seine Gründe, warum ich es bisher nicht tat…

Outdoor-Fotografie Ratgeber

Outdoor-Fotografie — Die Möglichkeiten der Fotografie sind grenzenlos. Tipps und Tricks für Ihre Outdoor-Fotos.” Es ist wieder ein Download via Ifolor. Schon der Titel “Familienfotografie” (ca. 2016) war schwach und man hat seither m. E. nichts dazu gelernt. Technisch ist es kein E-Buch (MOBI oder ePUB), sondern ein PDF (Druckvorstufe).

Jetzt kommen Leute mit dem Spruch “einem geschenkten Gaul…” um die Ecke — doch, wenn der Gaul lahm und krank ist, halst man sich u. U. ein Problem auf, bei dem man vielleicht sogar zuzahlen muß. Hier ist es — meiner Meinung nach — wieder Zeitverschwendung.

Ich halte viel davon, wenn jemand seine Erfahrungen in einem Buch oder Video weitergibt. Leider ist nicht jeder gute Macher auch ein guter Schreiber oder Erklärer. Bei diesem Buch ist gar kein Autor ersichtlich, “Wir wünschen Ihnen — VIEL SPASS BEIM LESEN”. Mir scheint es das Kunstprodukt einer Agentur zu sein, wo sich jemand in das Thema eingelesen hat, aber kaum ein Praktiker ist. — In der Einleitung (S. 3) erfährst du indirekt, warum das Buch kostenlos ist: “Ihre Fotos können Sie mit Fotobüchern, einem schönen Rahmen oder gross auf Leinwand gedruckt in Szene setzen und damit Ihre Wohnung verschönern. Ausserdem: Wer würde sich nicht über Fotogeschenke von einem gemeinsamen Urlaub oder Ausflug freuen?“. Der Sponsor betreibt ein Fotolabor/Druckservice.

Halbwahrheiten

Wenn man etwas “einfach so” lobt, ist das OK. Wenn man es kritisiert, muß man es detailliert begründen… Ehrlich gesagt habe ich aber keine Lust, noch mehr Zeit in dieses Produkt zu investieren, denn das hieße Korrektorat und Lektorat gratis zu machen, wenn ich Fehler und Ungereimtheiten detailliert nachweise. Deshalb nur meine Notizen nach kurzer Durchsicht:

Tipp zur richtigen Kameraausrüstung: (S. 5): “Sie sollten sich eine gute Einsteiger-Kamera besorgen, (…) kommen somit nur klassische DSLRs infrage. Eine Alternative stellen … Systemkameras dar …” Alles klar, womit man gut einsteigen kann? Und zum Objektiv: “[auf] ein Objektiv beschränken” — und welches paßt zu Outdoor am besten? Auf der nächsten Seite (S. 6): “Wählen Sie Objektive mit Innenfokussierung” sowie “Achten Sie darauf, daß die Mechanik innen liegt”. Innenfokussierung ist eine sehr spezielle Eigenschaft und so ohne Erklärung, m. E. kein erhellender Ratschlag. Und bei welchem Objektiv liegt die Mechanik außen?

Beim Fotobeispiel (S. 8) Heidelberger Schloß wird von Perspektivwechsel empfohlen und sinnvolle Alternativen beschrieben — gezeigt wird eine Gegenüberstellung von Tag- und Nachtaufnahme.

Mein Lieblingsrat (S. 11) bei Know-how: “Vereinfacht gesagt fällt also bei einer halben Sekunde halb so viel Licht auf den Sensor als bei einer Sekunde Belichtungszeit.” Was ist daran vereinfacht, es ist eine Tatsache, daß eine Sekunde ist doppelt so lang ist WIE eine halbe Sekunde. Weiter “… sollte die Belichtungszeit bei Fotos aus der Blende auf 100 einstellen...Hand eher kurz sein.” — Was ist denn “eher kurz”? Hinweis auf die alte Regel mit dem Kehrwert der Brennweite oder Reserven durch Bildstabilisierung könnten helfen!

Blende auf 100 einstellen…

(S. 12, Punkt 4) “Die Blende sollte so niedrig wie möglich, aber so hoch wie nötig stehen.” — warum? Ja, als Profi ahnt man, daß es um Schärfentiefe gehen soll, der Laie wundert sich. Eine Einstellung von “100” finde ich auf keinem meiner Objektive.

Fazit

Im “ABC des Bildaufbaus” (S.15) ein Lichtblick: Bild und Erklärung passen gut zusammen! GrößenvergleichWieso dazu die Bildunterschrift teilweise im Bild stehen muß, verstehe ich nicht (ist eben PDF). Nette Idee sind Wanderrouten mit fotografischen Herausforderungen. Aber ob die grobe Skizze reicht? Und wenn man dann bedenkt, daß die Bilder nicht vom “Autor” stammen (sondern aus dem Microstock), weiß man gar nicht, ob man das gezeigte Beispiel auf der Tour überhaupt antreffen kann. Da greifst du dann besser zu den “Zielfoto“-Ausgaben von S. Wiesner!

Größenvergleich

Wenn ich als Fotograf ein Fotobuch herausgebe, ist es mir ein besonderes Anliegen, daß alle Bilder auch von mir stammen. Ausnahmen würde ich lediglich bei Spezialthemen in Erwägung ziehen — mir dann aber auch überlegen, ob ich dann ein Buch darüber schreiben würde, schließlich erwartet der Leser ja eine gewisse Kompetenz. Es sind nicht nur fremde Bilder, sondern aus einer Quelle, wo mit gezahlten Cent-“Honoraren” kein echter Fotograf von leben kann.

Überall vage Angaben, wo man raten kann, was gemeint sein könnte. Vieles nicht wirklich falsch, aber m. E. auch nicht hilfreich. Konkrete Ratschläge und Bezug zu “Outdoor” fehlen weitgehend. — Spare dir die Zeit es zu lesen und gehe lieber mit einem Fotokumpel fotografieren!

 

[Update]

Der Vollständigkeit halber die offiziellen
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