E-Book-Frust in der Krimi-Sammlung

Norddeutschland, Morddeutschland von Alfred Bekker (Quelle: Amazon|Vorschau)Die Ablehnung gegenüber E-Büchern geht nicht selten auf unerfreuliche Erfahrungen mit schlecht formatierte Dateien zurück. Auch ich habe in den vergangenen Monaten öfter welche gefunden, wie beispielsweise in einem PC Welt Ratgeber.

Norddeutschland, Morddeutschland von Alfred Bekker
(Quelle: Amazon|Vorschau)

Leider bin ich nun bei einem sonst sehr fleißigen Autoren mehrfach fündig geworden: Alfred Bekker — laut Wikipedia hat er bisher 350 Romane und 1.000 Kurzgeschichten veröffentlicht. Im Amazon Kindle-Shop bringt er es z. Zt. auf rund 475 Treffer. Eigentlich sollte er wissen, wie es geht…

Hier geht es nicht um eine literarische Bewertung, sondern um die technische Umsetzung als E-Buch für den Kindle. Auch wenn bei einem Buch primär der Inhalt zählt, sollte man es m. E. dem Leser nicht unnötig schwer machen und mit Fehlern von der Story ablenken. Nicht zuletzt durch diverse Aktionen bei Amazon haben sich bei mir einige Titel auch von Bekker angesammelt, preisgünstig zwischen 2,68 und 4,99 Euro oder sogar kostenlos — so erprobt man gerade als Neuling das Medium E-Buch, bevor man stolze 20 Euro in einen Bestseller investiert.

Das erste Buch ist “Norddeutschland, Morddeutschland” (z. Zt. 4,99 Euro). Schon auf den ersten Seiten fallen Zeilenumbrüche mitten im Satz auf. Obwohl die Bücher in Kapitel unterteilt sind, stehen auch sie unmotiviert mitten im Text. Kapitelüberschriften kann man auch in einem E-Buch typografisch abheben, auf den Seitenanfang setzen und im Inhaltsverzeichnis verlinken. Wenn man als Autor eine solche Gliederung inhaltlich für erforderlich hält, sollte man sie typografisch/technisch auch entsprechend umsetzen. Bei Sammelbänden — die ja gerade Bekker gern herausgibt — wird ein so E-Buch sonst noch unübersichtlicher.

Kapitelmarken

Kapitelmarken könnte man besser plazieren.

Da Rechtschreibung/Tippfehler weitgehend i. O. sind, fallen andere Kleinigkeiten wieder besonders auf. Offenbar scheint vielen Leuten der Unterschied zwischen einem Akzent und einem Apostroph (Hochkomma) auf einer Computertastatur unbekannt oder egal zu sein. Doch das unsinnige Ergebnis muß doch auffallen. Ein Akzent wird immer mit einem Buchstaben kombiniert (je nach Programm auch mit einem Leerzeichen), ein Apostroph steht alleine (ich hab´s nicht | ich hab’s).

Akzent ist kein Apostroph

Akzent ist kein Apostroph.

In dem zweiten Buch “Killer und Komplizen” (z. Zt. 4,99 Euro) fällt schon die Titelei bzw. der Vorspann negativ auf. Vom Titel fehlt das “D” (es ist auf der vorhergehenden Seite), dafür ein Umbruch mitten im Wort, wo man es eigentlich nicht übersehen kann.

Doppeltes Mörderspiel

Doppeltes Mörderspiel — schon in der ersten Zeile zerhackt.

Rein aus der technischen Betrachtung machen diese Stichproben den Eindruck, als wären sie in aller Schnelle per “copy & paste” oder per Batch konvertiert worden, ohne anschließend auch nur einmal Korrektur zu lesen. Die meisten Fehler sind rein handwerklicher Art und könnten sogar von “Hilfskräften” schnell beseitigt werden. Mit diesem Desinteresse an einem gewissen Niveau schadet sich der Autor selbst, da man — unabhängig vom literarischen Wert — m. E. so ein Buch auch für 5 Euro kaum empfehlen kann. Zwar passieren auch bei gedruckten Büchern Fehler, allerdings nicht so krass und gehäuft. Immerhin habe ich in diesen Büchern nicht nach Fehlern gesucht, sondern sie sind in der Praxis immer wieder unangenehm aufgefallen (und werden z. T. auch in den Amazon-Leserrezensionen erwähnt). — Vielleicht kaufe ich mir doch einmal so einen Titel von der Bestsellerliste, nur um zu überprüfen, ob man wenigstens dort alle Register zieht, die bei einem E-Buch möglich sind…

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