Die nächste Mogelpackung kommt: Amazon Fire TV.

Es ist noch keine zwei Wochen her, da ich in meinem Chromecast-Bericht auf ähnliche Amazon-Aktivitäten hinweise. Nun ist es (zumindest in Amiland) soweit, Amazon stellt Amazon Fire TV vor.

Amazon Fire TV (Quelle: Amazon.com)

Amazon Fire TV
(Quelle: Amazon.com)

Es handelt sich um eine Settop-Box zum Anschluß an Fernsehgeräte, die zum “Kampfpreis”(?) von 99 Dollar angeboten wird. Doch was steckt drin bzw. dahinter?


Da Amazon Fire TV einerseits noch nicht in Deutschland erhältlich ist, ich andererseits dafür kein Geld übrig habe, ist dies eine Einschätzung nach “Aktenlage” (für meine vorläufige persönliche Nicht-Kauf-Entscheidung).

Wir amüsieren uns…

Wie viele andere Geräte wird Amazons Fire TV via HDMI an den Fernseher angeschlossen (wer ein zu altes Gerät hat, kann unter Abstrichen einen entsprechenden Umsetzer zu Scart verwenden). Obwohl es wie ein kleiner Sat-Empfänger aussieht und hochgelobte Technik enthält, ist es nichts weiter als ein Internet-Streaming-Gerät: Wer keinen — schnellen — Internetanschluß hat, braucht gar nicht erst einzuschalten.

Amazon Fire TV: Ohne Internet geht gar nichts (Quelle: Amazon.com)

Amazon Fire TV: Ohne Internet geht gar nichts
(Quelle: Amazon.com)

Und auch die versprochenen Inhalte sind nicht selbstverständlich “inklusive”: Wenn beispielsweise mit “Massive selection — Over 200,000 TV episodes and movies, millions of songs, and over a hundred games.” geworben wird, verschweigt man, daß viele der genannten Dienste mit zusätzlichen Abo-Kosten verbunden sind, aber zum Teil in Deutschland gar nicht verfügbar (zum Beispiel Netflix, Hulu plus oder der hauseigene Amazon Instant Video). Ebenso ist der “Unlimited access to thousands of popular movies and TV shows …” ist nur “unbegrenzt”, wenn man zusätzlich zahlt. Dahinter steckt beispielsweise “Instant Video” für rund 50 Euro bzw. rund 96 Euro jährlich. Über die Qualität/Aktualität der “kostenlos” abrufbare Filme kann man streiten, es sind allerdings nicht die neuesten Straßenfeger — für die muß oft nochmals einzeln bezahlt werden.

Neben dem “Fernsehen” soll die Box auch für Spiele gut sein. Das geht allerdings erst mit der Spiele-Steuerung für 40 Dollar Aufpreis. “Natürlich” sind auch die Spiele nicht inklusive, wobei sind mit moderaten Preisen starten, einem anschließend wohl aber nicht gehören.

Kommentar: Mich wundert und mich verärgert, daß die Kollegen in den warmen Redaktionsstuben bestenfalls eine technische Einschätzung und Vergleich mit ähnlichen Systemen vornehmen, nicht aber das langfristig fragwürdige Konzept der “Kundenbindung” und Konditionierung “alles kostet extra” in Frage stellen. Auch die fast totale Kontrolle der Inhalte durch (amerikanische) Privatunternehmen, die oft sogar gesetzlich garantierte Freiheiten nach eigenem Gusto einschränken, ist m. E. grenzwertig.

Auf der anderen Seite kann diese Settop-Box m. E. nichts, was sich nicht auch mit “Hausmitteln” in einem technikaffinen Haushalt machen läßt — vom Smart TV bis zum Tablett, das einfach mit einem HDMI-Kabel angeschlossen wird.

Alternativen zu Chromecast und Amazon Fire TV

Viele dieser neuen Settop-Boxen machen nichts, außer Internet-Inhalte irgendwie auf den Fernsehschirm zu bringen. Das erfordert einerseits in der Regel zusätzlich einen schnellen Internetanschluß, nicht selten kostenpflichtige Abos sowie weiteres Equipment im Hintergrund. Doch in einem technikaffinen Haushalt sind sowieso schon eine Menge Möglichkeiten verborgen — man muß sich nur einmal damit auseinandersetzen und auf die eigenen Bedürfnisse ausrichten, um eine Menge Geld sparen zu können und Freiheiten zu bewahren:

  • Smart TV (also bereits im modernen Fernseher ohne Zusatzkosten verfügbare Funktionen), die sich mit der in Deutschland sehr beliebten Fritz-Box gut zu Media-Servern erweitern lassen
  • Mini-PCs auf Android-Basis zum direkten Anschluß via HDMI
  • Mediaserver als Festplatte mit gewisser Eigenintelligenz
  • ein HDMI-Kabel, das Inhalte einfach auf den Bildschirm überträgt

Alternative: Smart TV

Wenn man heutzutage einen Fernseher kauft, hat er HDMI- oder USB-Schnittstellen und eingebaute “Smart”-Funktionen. So kann mein Fernseher nicht nur selbst Internetseiten anzeigen, sondern erkennt auf Anhieb meine Fritz-Box sowie daran angeschlossene Speichermedien. Von dort kann ich direkt Fotos anzeigen oder Videos streamen, ganz ohne weiteres Zubehör.

Alternative: Mini TV PC

Mini-PCs, wie beispielsweise der MK808 sind technisch ein Mittelding zwischen Tablet(t)-PC und Mediaplayer und können im Prinzip alles, was ein Smartfon oder Tablett mit Android kann (z. B. Websites aufrufen und Apps installieren), wobei der Fernseher als sehr großer Bildschirm fungiert.

Alternative: Mediaserver

Ein Mediaserver sieht auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche externe Festplatte aus, kann jedoch ohne zusätzlichen Computer Videos abspielen. Je nach Modell kann man sie direkt an den Fernseher anschließen oder ins Heimnetzwerk einbinden.

Alternative: HDMI-Kabel

Ganz unspektakulär einfach und preiswert ist ein langes HDMI-Kabel. Sofern das Tablett HDMI unterstützt muß man nur noch auf die richtige Variante achten (“mini” oder “micro”) und bei der Länge nicht zu geizig sein (5 m lassen Spielraum). So an den Fernseher angeschlossen wird schlicht alles, was auf dem Display zu sehen ist, auf den Fernseher übertragen.

Comments

comments

Leave a Reply

Your email address will not be published.