Das Beste aus zwei Welten: DxO Optics Pro 9.5 als Plugin für Lightroom

Wer mit einer digitalen Spiegelreflexkamera oder einer hochwertigen Systemkamera fotografiert, tut gut daran sie im RAW-Modus einzusetzen, wenn man nicht rund vier Billionen Farbabstufungen zum Fenster hinauswerfen möchte. Die Frage ist nur, mit welchem Programm soll ein RAW-Bild entwickelt werden. Der Weg von der RAW-Datei zum fertigen Bild am Computerbildschirm läßt sich durchaus als digitale Variante eines Fotolabors verstehen.

DxO Optics Pro 9.5 als Plugin für Lightroom (Quelle: DxO-Newsletter Mai 2014)

DxO Optics Pro 9.5 als Plugin für Lightroom.
(Quelle: DxO-Newsletter, Mai 2014)

Die herstellereigene Software bietet oft nur das Nötigste, profitiert aber gelegentlich von geheim gehaltenem Insiderwissen, z. B. beim (Ent-) Rauschen. Universeller dagegen Programme wie Photoshop (mit Camera Raw), Lightroom, DxO oder einer der zahlreichen Alternativen, wie beispielsweise RawTherapee oder Photivo. Eigentlich muß man sich konsequent für eines entscheiden — doch DxO hat sich einen Kniff ausgedacht…

Statt im Wettbewerb mit Platzhirsch Lightroom wg. dessen überzeugendender Archivierungsfunktionen den Kürzeren zu ziehen, greift DxO zu einem m. E. genialen Schachzug: Man kann die neueste Version als Plugin für Lightroom nutzen. Als RAW-Entwickler ist DxO durchaus eine ernstzunehmende Konkurrenz, die sich besonders durch die umfangreiche Datenbank zu Objektivkorrekturen auszeichnet und schwierige Fälle in Sachen Rauschen meistern kann. Aber beim Sichten und Archivieren und dessen Integration in den Workflow ist es wie viele andere Programme verbesserungsbedürftig. DxO verspricht:

Genießen Sie die volle Bildqualität von DxO Optics Pro direkt aus Ihrem Bildeditor Lightroom heraus. DxO Optics Pro 9 bietet Ihnen den ersten nicht-destruktiven und vollständig integrierten einfachen Workflow mit Lightroom, um automatisch die Qualität Ihrer RAW-Bilder zu verbessern und Ihre Fotos mit wenigen Klicks zu veredeln. (Quelle: a. a. O.)

DxO setzt wohl auf eine ähnliche Technik, wie Adobe sie selbst für Photoshop nutzt, das beispielsweise für Lightroom das Panorama-Stitching abwickelt. Im Prinzip wird das RAW in einem anderen Programm behandelt und dann die Daten zurückgegeben — das kann man prinzipiell auf Dateiebene mit jedem Programm machen. Neben dem bequemeren Workflow bietet DxO als Plugin allerdings einen weiteren Vorteil: Es gibt kein JPG oder TIF zurück, sondern wahlweise auch ein DNG.

Obwohl einige Fotografen DNG für das “bessere RAW” halten, muß man genauer hinsehen: Auf der einen Seite kann ein RAW ja nicht bearbeitet sein, sonst wäre es kein RAW. Und wenn DxO die RAW-Daten bearbeitet — was ja Sinn des Plugins ist — kann das DNG ja kein RAW mehr sein und die Möglichkeiten zumindest “anders”. Wo kann da der Haken sein? Das offizielle Tutorial: von DxO bestätigt meine Einschätzung [Hervorhebungen durch mich]):

Sowohl DxO Optics Pro als auch Lightroom sind Programme zum Demosaiken, Entwickeln und Bearbeiten von RAW-Dateien in nicht-destruktiver Form, da die nach den jeweiligen Korrekturen gespeicherten Daten reversibel sind und die Originaldateien stets unverändert bleiben. Dies nennt man einen nicht-destruktiven Workflow. (…)

Beide Programme verfügen über ihren eigene Demosaiking-Technologie und RAW-Konvertierungsmethode und sind nicht kompatibel. Es ist in der Tat so, dass eine RAW-Datei in DxO Optics Pro nicht dieselbe ist wie in Lightroom oder umgekehrt. Dasselbe gilt für die Korrekturen. (…)

Wir sehen, daß die beiden Programme sich einer bestimmten Rolle annehmen. DxO Optics Pro konzentriert sich auf die Bildbearbeitung, Lightroom übernimmt alle Aufgaben, die vor und nach der Bearbeitung anfallen. Dieser Workflow ist vor allem für die folgenden Anwendungsfälle gedacht: (Quelle: a. a. O.)

Workflow zwischen Lightroom und DxO (Quelle: DxO, bearbeitet)

Workflow zwischen Lightroom und DxO
(Quelle: DxO, bearbeitet)

Wenn man sich Erläuterungen und Schaubild von DxO anschaut, wird klar: Da ein RAW der Sache nach nicht zweimal als RAW bearbeitet werden kann, will man ganz charmant Lightroom zum Archivverwalter machen, während die RAWBearbeitung möglichst vollständig in DxO erfolgen soll. Soweit ich den Workflow in o. g. Tutorial verstehe, scheint mir das für den Alltag nicht uneingeschränkt tauglich: Einerseits muß man durch das Hin- und Her-Exportieren hilfsweise auf einschränkende Dateiformate ausweichen (TIF oder DNG). Anderseits verdoppelt sich die Zahl der Dateien, was Speicherplatz kostet und die Übersichtlichkeit mindert. Für den Einzelfall ist es dagegen ein pfiffiges Konzept mit dem man prinzipiell das Beste aus zwei Programmen kombinieren kann. Der im Newsletter angepriesene “Sonderpreis” entspricht z. Zt. allerdings dem regulären Preis bei Amazon ab knapp 100 Euro — man kann sich mit einer Kaufentscheidung also Zeit lassen. Das sollte allerdings für Lightroom ein Warnschuß sein, endlich ein paar Funktionen nachzurüsten, bevor noch andere den Workflow “umbiegen” wollen (zum Beispiel für Panorama oder HDR).

(Dies ist eine Einschätzung nach Aktenlage, das Programm stand für Testzwecke leider nicht zur Verfügung.)

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