CHDK-Tools: Canon Powershot und Ixus mit RAW ausrüsten.

Für aktuelle digitale Spiegelflexkameras ist RAW Standard und geradezu Pflicht. Schnappschußkameras können dagegen oft nur JPG und lassen sich leider nur selten auf andere Formate umstellen, obwohl auch einfache Kameras davon profitieren könnten. Immerhin liefern aktuelle Bildsensoren meistens ein Vielfaches an Bildinformationen als JPG theoretisch verarbeiten kann.

Auf Tastendruck wird die Firmware-Version angezeigt -- startklar für CHDK.

Auf Tastendruck wird die Firmware-Version angezeigt — startklar für CHDK.

Mit den CHDK-Tools kann man zumindest für Canon-Kameras der “Powershot”- oder “Ixus”-Reihe dieses Manko beseitigen. Dieser Hack ist eigentlich kein Hack, da er im Grunde genommen eine mehr oder weniger offizielle Schnittstelle verwendet und nichts dauerhaft an der eingebauten Firmware ändert. Stattdessen wird von der SD-Karte temporär eine Erweiterung eingespielt, die nach dem Ausschalten bzw. Entnahme der mit CHDK präparierten SD-Karte wieder verschwindet.

Hinweis: Die Verwendung dieser und ähnlicher Tools erfolgt auf eigene Gefahr. Dieser Beitrag zeigt nur die Möglichkeit auf und dient der allgemeinen technischen Information. Theoretisch kann durch falsche Paramterangaben bei einigen Funktionen auch die Hardware schädigen. Ich übernehme selbstverständlich keine Haftung für beschädigte Kameras oder verlorene Bilder! Für die Spiegelreflexkameras von Canon heißt das Zauberwort übrigens Magic Lantern.

Powershot bezeichnet bei Canon sowohl einfache Schnappschußkameras für unter 100 Euro als auch sog. Bridgekameras mit “Super Zoom” im mittleren Preissegment. Die anspruchsvolleren G-Modelle um die 500 Euro können normalerweise von Haus aus RAW — nur meine G7 leider nicht. Ich rüste sie deshalb mit CHDK aus — was muß man dazu tun?

Achtung, mir geht es in diesem Beitrag primär um die RAW-Funktion, CHDK kann aber noch viel mehr, was in der ausführlichen “Features“-Liste erklärt ist (zum Beispiel Histogramm, detailliertere Anzeigen, Skripte oder Textanzeige und sogar Spiele). CHDK-Tools sind speziell für jede einzelne Kamera angepaßt, so daß man sehr genau auf die richtige Kombination von Modell und CHDK-Version achten muß!

Schritt für Schritt CHDK installieren

(1) Wird meine Kamera unterstützt? Zuerst versichere ich mich im Abschnitt “Supported Cameras”, daß mein Modell dabei ist. In den FAQ findet sich dazu eine ausführliche Liste. In meinem Fall also die G7 — doch dahinter finden sich einige irritierende Angaben… G7: 100e, 100g, 100i, 100j.

(2) Welche Firmware ist aktiv? Bevor ich loslegen kann, muß ich nämlich feststellen mit welcher Firmware genau die Kamera ausgestattet ist. Zum Teil wird sie nämlich bereits während der Produktion geändert, oft kann man später sogar selbst offizielle Updates einspielen.

(a) Wenn man mit Windows arbeitet, kann man dazu das Programm “CameraVersion” verwenden, das zusammen mit dem “Exiftool” die Firmware-Version aus einem vorhandenen Foto auslesen kann: Dazu muß man nur ein mit der betreffenden Kamera gemachtes Foto auf das Eingabefeld ziehen und ganz unspektakulär wird rechts die Info “100 G” angezeigt.

Mit Hilfe von CameraVision kann man die Firmware aus einem Bild ableiten.

Mit Hilfe von CameraVision kann man die Firmware aus einem Bild ableiten.

(b) Es geht auch allein über die Kamera mit simplen Hilfsdateien: Einfach auf der Speicherkarte für die Bilder zwei leere Dateien mit den Namen vers.req sowie ver.req anlegen (sofern die Kamera nicht als “Massenspeicher” erkannt wird, braucht man dazu und zur weiteren Konfiguration natürlichen einen handelsüblichen Cardreader). Dann die Karte wie gewohnt einlegen und die Kamera im CHDK auf der SD-Karte.Wiedergabemodus (play) einschalten, anschließend “Func(tion) Set” und “Display” gleichzeitig drücken (siehe auch Abbildung ganz oben). Die Firmwareversion wird dann direkt auf dem Kameradisplay angezeigt, meist kommt es dabei nur auf den Buchstaben ganz am Ende an (nicht irritieren lassen, auf der Abb. oben läuft schon CHDK und gibt schon einen kleinen Vorgeschmack). Die beiden Dateien können auf der Karte verbleiben.

CHDK auf der SD-Karte.

(3) Download der CHDK-Tools. Mit dem Feststellen der Firmwareversion ist die größte Herausforderung erstmal erledigt, da ich mit 4 Gigabyte eine in der Größe unproblematische Speicherkarte verwende (das Thema Booten und Partitionieren größerer SDs wird hier nicht weiter behandelt). Jetzt kann ich aus o. g. Liste per Klick zum Download der CHDK-Tools wechseln. Zur Zeit kann man dabei meist zwischen einer “stable”- (1.1) und einer “developer”-Version (1.2) sowie zusätzlich einer eingedeutschten Version wählen.

Nicht wundern, wegen der vielen Downloads wird man auf eine andere Seite umgeleitet (z. B. das deutschsprachige CHDK-Forum) und muß sich dort nochmals die betreffende Version an Hand des Kameramodells und der ermittelten Version heraussuchen.

Download von CHDK beim deutschen CHDK-Forum.

Download von CHDK beim deutschen CHDK-Forum.

(4) Installation von CHDK. Um die CHDK-Tools zu starten, gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten:

(a) Man kopiert den Inhalt des entpackten ZIP-Archivs in das Wurzelverzeichnis der Speicherkarte und verwendet sie wie immer. Im Kameramenü lassen sich die Funktionen über “Firmware-Update” temporär aktivieren. Wird die Kamera ausgeschaltet, ist CHDK allerdings ebenfalls ausgeschaltet.

(b) Wenn man die Tools dauerhaft nutzen möchte, sind folgende Schritte notwendig. Einerseits muß man die SD-Karte mit einem Tool bootbar machen (dort wird auch die 4-GB-Grenze erläutert), die Dateien des Archivs kopiert werden und anschließend noch etwas Kurioses machen — die SD-Karte auf Schreibschutz stellen (der kleine Schieber, den sonst niemand nutzt). Die Tools melden sich dann immer gleich beim Einschalten mit einem kleinen Hinweis. Der Haken: Dies funktioniert “out of the box” nur bis zu einer Speicherkartengröße von 4 Gigabyte. Größere Karten gehen auch, müssen aber speziell partitioniert werden. — Fotos können in diesem Fall natürlich trotz Schreibschutz gemacht werden. Und wenn man unterwegs CHDK “loswerden” möchte, muß man nur den Schreibschutzschieber deaktivieren, dann startet die Kamera wieder ganz normal.

(5) CHDK konfigurieren, RAW einschalten. Wenn CHDK gestartet ist, erkennt man dies meist schon an anderen bzw. zusätzlichen Symbolen im Kameradisplay. Zur Konfiguration und Steuerung verfügen die CHDK-Tools über ein eigenes Menü, das man über die “print”-Taste und “menu” aufruft.

Das Hauptmenü der CHDK-Tools.

Das Hauptmenü der CHDK-Tools.

Standardmäßig ist RAW nicht aktiviert, weshalb ich es über die “RAW-Einstellungen | Speichere RAW” einschalte. Leider kann man im Gegenzug JPG nicht abschalten. Wenn ich es richtig verstanden habe, werden die JPGs später noch als Hilfsdateien für Exif und Tonwerte benötigt, weshalb auch die Option “RAW-Datei in JPG-Ordner” aktiv bleiben sollte.

Tücken in der Praxis

Die Kamera ist nun startklar, startet beim Einschalten automatisch mit CHDK. Um die CHDK-RAWs von echten Canon-RAWs (crw, cr2) unterscheiden zu können, stelle ich im Kameramenü die Endung “THM” ein (freie Buchstaben leider nicht vorgesehen). Der erste Eindruck dämpft allerdings die Freude: Wie bei den Grundlagen erläutert, braucht RAW auf allen Kameras etwas länger (was bei einer dSLR kaum ins Gewicht auffällt), doch hier sind es nach jeder Aufnahme mehrere Sekunden, wobei zur Kontrolle das blaue “print”-Lämpchen leuchtet. Jetzt versteht man auch den Menüeintrag “Nur 1. RAW einer Serie” — wie sieht es bei den anderen Kameramodellen aus? Bitte Feedback in die Kommentare.

Auch LR 5 mag die RAW-DAteien (noch) nicht.

Auch LR 5 mag die RAW-Dateien (noch) nicht.

Und es gibt noch eine Überraschung: RAW ist buchstäblich raw, denn diese RAW-Dateien lassen sich (bis jetzt) nicht in Lightroom öffnen, auch wenn das vorgeschlagene Präfix crw oder cr2 etwas anderes suggerieren mag. Auch die automatische Zuordnung im Dateiexplorer orientiert sich zunächst nur an den registrierten Dateierweiterungen, schon die Vorschauen fehlen aber.

Das Problem ist bekannt, natürlich liefert CHDK keine unbrauchbaren Dateien, sondern nur andere. Was also tun?

(1) Andere Software. Wenn man nicht mit Lightroom arbeitet, kann man das Problem vermeiden: Sowohl das bekannte RAW Therapee (RT) als auch Picasa und einige andere Programme können damit umgehen. Entweder bearbeitet man diese RAWs dann parallel damit oder exportiert hilfsweise 32-Bit-TIFFs oder vielleicht DNGs. — Für einen LR-Fan nicht wirklich befriedigend.

(2) Konvertierung. Aus den für (manche Programme) unlesbaren RAWs macht man mit Hilfe einer Konvertierungssoftware etwas lesbares. Im CHDK-Wiki wird das Programm “DNG4PS-2” empfohlen, das für Windows, Linux und MacOS verfügbar ist und RAW zu DNG umwandelt. Diese Dateien kann man dann wie gewohnt auch nach LR importieren. — Da die Software wohl nicht mehr weiterentwickelt wird, bitte weitere Empfehlungen in die Kommentare.

(3) Anderes Format. Doch warum so kompliziert mit RAW-Dateien hantieren? Ganz am Ende der “RAW-Einstellungen” findet sich im Kameramenü der CHDK-Tools ein Abschnitt “DNG”, mit dem man RAW von Anfang an ins DNG-Format bringen kann. — Nicht zu schnell die Fehlermeldung wegklicken: Bevor man DNG nutzen kann, muß man die Funktion “badpixel.bin erstellen…” ausführen! Das dauert einmal eine gewisse Zeit, erfordert aber keine weiteren Maßnahmen.

Statt unhandlicher RAW mit DNG arbeiten.

Statt unhandlicher RAW mit DNG arbeiten.

Die Vorschaubilder beim Lightroom-Import sehen zwar etwas runzelig aus, doch diese DNGs lassen sich problemlos öffnen (auch in Photoshop öffnet sich entsprechend der RAW-Konverter).

Fazit

Viele Schnappschußkameras können von den Reserven des RAW-Formats nicht profitieren, weil der Hersteller fest JPG vorgibt. Mit den CHDK-Tools kann man zumindest für Canon Powershot und Canon Ixus diesen Mangel abstellen. Die Installation erscheint auf den ersten Blick kompliziert, ist es aber nicht, wenn man wie beschrieben auf die Details achtet. In der Praxis treten kleine Tücken auf, was aber auch an der Kombination mit einer vergleichsweise alten Kamera in diesem Praxistest liegen kann — hierzu bitte Feedback in die Kommentare wie das mit anderen/neueren Modellen so aussieht. Da RAW nur eine von viele interessanten Funktionen der CHDK-Tools ist, kann man diesen kleinen Workshop als Einstieg für weitere Experimente nehmen oder sich einfach nur über die bessere Batteriestandsanzeige freuen.

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