Bilderklau geht weiter und wird dreister [Update]

Geiz ist geil, das schreiben sich leider auch im Land der Dichter und Denker inzwischen viele gewerbliche Verlage und Werbeagenturen auf die Fahnen. Wenn Mikrostock oder das Amateurfoto nicht billig genug sind — dann bedient man sich an Privatbildern persönlicher Blogs, frei nach dem Motto “selbst schuld”, wenn du etwas ins Netz stellst.

Bilderklau durch eine dubiose Website...

Bilderklau geht weiter…

Bereits im vergangenen Jahr habe ich bei nur einer kleinen Stichprobe selbst eine Firma dabei erwischt, die frech die Unternehmenshomepage mit einem meiner Bilder illustriert hat. Dort ist das Foto inzwischen verschwunden, dafür taucht es ungefragt auf einer dubiosen Linkseite “QuoteKo” auf (07/2014, die natürlich nicht verlinke, um ihr nicht auch noch Besucher zuzuführen!).


Traffic-Klau

Mir scheint es so, daß dort alle Bilder geklaut sind und das ganze dazu dient, systematisch Klicks zu erzeugen, für die Werbekunde unfreiwillig/unwissentlich zahlen müssen. Der Codeschnipsel src="http://baudenkmal.org/wp-content/bilder/lehrtebaehre.jpg" zeigt außerdem, daß man nicht nur das Bild verwendet, sondern es dreisterweise direkt vom Server lädt. Das heißt, der Beklaute zahlt auch noch den daraus resultierenden Traffic!

Bilderklau, der Traffic kostet!

Bilderklau, der Traffic kostet!
(Quelle: Quelltext der Website)

Man kann dann die Bilder löschen — so daß ein broken link entsteht — oder das Bild ersetzen, vorzugsweise mit einem entsprechenden Hinweis. Darauf verzichte ich, damit ich mich wegen mehrfacher eigener Verwendung nicht selbst austrickse. Soweit ich weiß, kann man ggf. über die rewrite rules des Servers externe Dateianfragen (eben auf das bewußte Bild) generell auf ein Dummy-Bild umleiten.

Wohnidee hat keine eigenen Ideen

Während ich meine Bilder bisher nur auf anderen Webseiten wiederfinde, wundert sich mancher über Zeitschriften und Prospekte. So berichtet Stefanie Bamberg davon, daß sich die Zeitschrift “Wohnidee” der Bauer Media Group sich bei ihren privaten Bildern vom “Kleiner Kuriositätenladen” bedient hat (05/2014). Besonders dreist, da man es als Redaktion wissen müßte. Vielleicht hofft man ja, daß es bei einer gedruckten Ausgabe nicht auffliegt (wir wissen es nicht), dann sollte man aber nicht ausgerechnet bei Facebook posten — so wurde die Autorin darauf aufmerksam gemacht.

Ein schönes Foto -- das die Wohnidee gerne hätte... (Quelle: a. a. O.)

Ein schönes Foto auf der Website Kleiner Kuriositätenladen — das die “Wohnidee” gerne hätte…
(Quelle: a. a. O.)

Ein großer Nachteil elektronischer Medien ist leider auch, daß man nicht nur berichtigen (was wünschenswert ist) — sondern leider auch verschwinden lassen kann (beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk euphemistisch “depublizieren” genannt). So kann ich leider nur zum Teil auf Originale verweisen (bei Wohnidee klafft im fraglichen Zeitraum bei Facebook eine große Lücke). Der oben verlinkte Artikel geht allerdings genauer auf Details ein. Erfreulich die angeregte Diskussion mit nahezu 200 Kommentaren.

Um klarzustellen, daß ich hier selbstverständlich keinen Bilderklau betreibe: Es handelt sich um Screenshots, um einen Sachverhalt zu belegen. Dies ist nicht nur “handwerklich” üblich, sondern wegen Löschaktionen allerorten notwendig geworden. Es ist auch ein “Zitat”, da der begleitende Text sich nicht mit Kochen und Backen befaßt, sondern mit der Entwicklung von Websites oder Illustration von Texten. Eine Quellenangabe ist immer hilfreich.

Ente wird zum Kaninchen

Wie wichtig Dokumentation ist, zeigt ein zweites Beispiel aus “Biggys Blog” (12/2012) — sie hat inzwischen andere Interessen und möglicherweise wird die Website irgendwann verschwinden. Sie berichtet Privates Foto im Supermarktprospekt (Quelle: a. a. O.)über eine andere dreiste Tour: Ein Bild einer privaten Website taucht im Supermarktprospekt auf.

Über die Verbindung gibt es offensichtlich nicht viel zu diskutieren, denn es ist sogar der Teller dort abgeschnitten, wo er bei der wahrscheinlichen Vorlage am Bildrand endet — also auch noch eine ziemlich schlampige Arbeit.

Privates Foto im Supermarktprospekt
(Quelle: a. a. O.)

Obwohl schon einige Tage her, gibt es leider noch keine weiterführenden Erkenntnisse. So richtig in die Nesseln setzt sich der Bilderdieb vermutlich damit, daß er ein veganes “Entenbrustfilet” der Autorin im Prospekt zum Kaninchen macht. Und wenn denn das alles so stimmt, ist es ja auch noch eine Verbrauchertäuschung… (kein Hinweis “Symbolbild” o. ä.)

Zur Gegenprobe gebe ich einmal “Kaninchenfilet” in die Google Bildersuche ein — das Bild taucht dort nicht auf, auch nicht als Entenbrust. Es also um erstaunlicher, wie es zu dieser speziellen Konstellation kommt. — Das erinnert ein wenig an ein berühmt-berüchtigtes Kochbuch und einen Hobbyfotografen, die die Abmahnung zum Geschäftsmodell gemacht hatten. Zum Glück ist es sehr ruhig um diese Website geworden…

Zwischen Webmastern reicht es m. E. per E-Mail nachzufragen. Meist kommt man mit der freien Wahl zwischen “bitte löschen” oder “bitte Quellenangabe und Backlink” aus. Gedruckt von einem gewerblichen Nutzer ist zwar dreister, aber die nachträglich zuerkannten Honorare/Nutzungsgebühren fallen nicht nur gegenüber Privatleuten eher mager aus und lohnen leider selten den Aufwand.

[Update]

Man fragt sich schon, woher Boulevardblätter immer so schnell Fotos von völlig unbekannten Der Spiegel zeigt hemmungslos Opfer (Quelle: Der Spiegel [online] 31/2014)Personen bekommen, wenn sie Opfer eines Unglücks wurden. Auch hier ist das Internet eine ergiebige Quelle, vor allem perönliche Einträge in Facebook & Co.

Der Spiegel zeigt hemmungslos Opfer
(Quelle: Der Spiegel [online] 31/2014)

Offenbar haben das nicht nur Schmierbätter diese Quelle für sich entdeckt. Auch Stern sammelt Opfer für ihre Berichte und Spiegel zeigt auf der Titelseite (31/2014) Portraits und bedient sich dabei vermutlich hemmungslos im Internet. Ärgerlich, daß auch vermeintlich seriöse Zeitungen Grundlagen soliden Journalismus’ missen lassen: Neben ethischen Einwänden wird dabei nicht nur das Recht am eigenen Bild mißachtet, sondern auch die Urheberrrechte. Auf Anfrage des “Bildblogs” via Mats Schönauer versucht der Spiegel sich mit “bei der Auswahl der Fotos aus öffentlich zugänglichen Quellen bedient” rauszureden — wie beim Supermarkt, wo die Waren in den Regalen ebenfalls frei zugänglich sind — und man am Ende trotzdem an der Kasse vorbei muß.

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