Bilderdieben auf der Spur — erwischt…

Herr Guttenberg und Konsorten verhelfen der Problematik sowie Tools zur Plagiatssuche zu ungeahnter Popularität. Während der “Doktor” gern mal abschreibt, übt sich der Webmaster im Bilderklau. Neben vielen speziellen Tools gibt es aber inzwischen auch ein Hausmittel — eine Option in der Google Bildersuche.

Bild-URL kopieren via Kontextmenü

Bild-URL kopieren via Kontextmenü.

Beim ersten Test finde ich nur meine eigene Zweitverwertung, doch bei den Baudenkmälern, die ich zusammen mit meinem Vater betreue, bin ich mir ziemlich sicher: Hier findet nicht selten Selbstbedienung durch “Heimatseiten” statt. Schon beim dritten Testbild lande ich einen (etwas unerwarteten) Treffer…


Bei privaten Webseiten sehe ich das nicht so eng, obwohl man nie so genau weiß, inwieweit die Unwissenheit nur vorgetäuscht ist. Bei eindeutig gewerblichen Seiten, bei denen eine kostenpflichtige Leistung angeboten wird und die kostenpflichtig durch einen “Webdesigner” erstellt wurde, bin ich etwas pingeliger.

Google Bildersuche

Zur Vorbereitung einer Online-Überprüfung klicke mit der rechten Taste (Kontextmenü) auf Ähnliche Bilder mit Google suchendas zu prüfende Bild und wähle dann “Bild-URL kopieren…” des Originals. Dann wechsele ich zu Google mit der Option “Bilder”. Dort gibt es seit einiger Zeit am Ende des Eingabefeldes ein kleines Fotoapparate-Symbol: Ein Klick darauf öffnet eine weitere Eingabezeile, in die ich per STRG-V die vorbereitete URL einfüge. Alternativ kann man an dieser Stelle auch ein Vergleichsbild extra hochladen. [Update : Zumindest im Chrome-Browser ist dies jetzt ein eigener Eintrag im Kontext-Menü.]

Neben dem Originalbeitrag findet sich fast immer so ein Personen-Informationen-Sammeldienst, den ich an dieser Stelle einmal außer Acht lasse. Aber der zweite Treffer auf einer fremden Website gehört zu einem Bauunternehmen, das seine Leistungen anpreist.

Das Originalbild taucht auf einer fremden Seite auf

Das Originalbild taucht auf einer fremden Seite auf.

Wenn man formlos anfragt, erhält man nicht selten folgende Standardausreden:

  • Das Bild ist doch nichts besonderes, das hätte ich auch selbst machen können. — Und warum hast du nicht?
  • Das Haus gehört mir/Freund/Nachbarn, da kann ich alle Bilder ohne zu fragen verwenden. — Irrtum, das Bild (und dessen Verwendung) gehört dem, der es geschaffen hat. Umgekehrt muß man für ein Foto nicht fragen, wenn man es von einer öffentlichen Straße aus gemacht hat (Panoramafreiheit).

Reverse Search mit TinEye und Plaghunter

Gegenprobe mit TinEye , einem Dienst, der auf “entführte” Bilder spezialisiert ist und ganze Websites überwachen kann (geht allerdings mit 200 US-Dollar/Monat los). Zum Test kann man einzelne Bilder über ein Webinterface checken lassen. Ich verwende dazu ebenfalls die o. g. URL.

TinEye sucht nach entführten Bildern.

TinEye sucht nach “entführten” Bildern.

Leider gibt es z. Zt. keinen Treffer. Was genau abgeglichen wird, ist leider unklar. Offenbar geht Google diesbezüglich einen Schritt weiter und versucht sich in einer Bildanalyse — die vorgeschlagenen ähnlichen Bilder deuten darauf hin.

Darüber hinaus gibt es Plaghunter, das ebenfalls bei der Bildersuche behilflich sein möchte. Bis zu fünf Bilder kann man in einem kostenlosen Account überwachen, 50 kosten allerdings schon stolze 29 Euro/Monat bis zu 2.000 Bilder für 199 Euro/Monat — hört sich viel an, ist aber für umfangreiche Websites oder gar Fotoarchive zu wenig und m. E. recht kostspielig. Außerdem gibt es keinen Crawler, sondern man gibt einzelne Bild-URLs in eine Eingabemaske. Der Dienst verspricht, schon nach zehn Minuten erste Ergebnisse liefern zu können…Das stimmt und es gibt eine Menge Treffer — zum Glück hauptsächlich durch “Wiederverwertung” auf meinen eigenen Seiten. Als interessante Variante wird ein Kindle-Foto “wiedergefunden”, es ist diesmal aber tatsächlich nur ein ähnliches Produktfoto. Für Diebe heißt das: Ausschnitt und Dateinamen zu ändern ist kein Schutz vor Entdeckung.

Die Ergebnisliste von Plaghunter -- die ersten Treffer sind nur ähnlich, der letzte mein eigener.

Die Ergebnisliste von Plaghunter
— die ersten Treffer sind nur ähnlich, der letzte mein eigener.

Überprüfung mit Photoshop

Natürlich mag auch mancher frech behaupten, daß er das Foto selbst angefertigt habe und es nur zufällig ähnlich sieht. Deshalb schaue ich mir die vermutete Kopie noch einmal genauer an, wobei ich Photoshop zu Hilfe nehme, indem ich die beiden fraglichen Bilder übereinander lege. Über die Art der Ebenenverknüpfung kann man Übereinstimmungen und Unterschiede sehr gut Visualisieren.

Differenzen in Photoshop überprüfen.

Mit Photoshop kann man die Übereinstimmung überprüfen.

Wo das Bild zu 100 Prozent übereinstimmt, wird es schwarz. Theoretisch müßte das kleinere schwarze Rechteck eine gleichmäßige schwarze Fläche ergeben. Da das Foto aber aus dem Original ausgeschnitten, verkleinert und vor allem neu als JPG gespeichert wurde, und ich zum Vergleich das Original auch verkleinern muß, ergeben sich gerade an Kanten gewisse Abweichungen, die als weiße Linien aufblitzen. Ein schönes Tool zur Überprüfung speziell von JPGs wäre der “Image Error Level Analyser“, der aber leider nicht mehr online verfügbar ist.

Auch wenn auf diesem Weg nicht eine (technisch) perfekte Übereinstimmung belegt werden kann, sprechen doch viele Indizien für ein geklautes Foto:

  • Perspektive absolut identisch
  • Schatten stimmen exakt mit meinem Bild überein
    (siehe Hofeinfahrt und Gullideckel)
  • Wolken stimmen überein
  • Äste, Blumenampel usw. in gleicher Position

Das alles zusammen würde bei einem eigenen bzw. nachgestellten Foto wohl nicht so offensichtlich übereinstimmen… (inzwischen hat sich im konkreten Fall das Thema erledigt)

[Update]

Auch H.-D. Zimmermann nimmt sich “Bilderklau im Netz – eine zufällige Stichprobe” bzw. in der Fortsetzung “Bilderklau im Netz – eine weniger zufällige Stichprobe” des Themas an. Dabei geht es allerdings um ein Testbild, das unter bestimmten Bedingungen — z. B. Namensnennung und Backlink — ohne weitere Nachfrage verwendet werden darf (CC BY). In seinen Beispielen scheinen auch Profis sich nicht dran zu halten.

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