Bilder für Web und eBook mit mehr als 95 Prozent Ersparnis optimieren

Als Internet noch DFÜ heißt, macht man sich um jedes Kilobyte übertragener Daten Gedanken. Im Jahr 2015 scheint dies bei 200-Megabit-Leitungen überflüssig — oder etwa doch nicht?

Bei dem optimierten Bild werden aus 800 kByte weniger als 20 kByte.

Bei dem optimierten Bild werden aus 800 kByte weniger als 20 kByte.

Ich arbeite mit dem Markenzeichen Strg-U, weil ich mir gern einmal den Quellcode von Webseiten ansehe. Dabei erstaunt mich immer wieder, wie schlampig dabei vorgegangen wird (hat wohl mit dem Fachkräftemangel zu tun — weil sie aus Geiz nicht eingestellt werden…). Ein großer Schwachpunkt sind u. a. riesige Bilddateien…

Als Fotojournalist bin ich natürlich auch der Meinung, daß ein Bild mehr als Tausend Worte sagt. In der Webentwicklung bedeutet dies allerdings auch, daß ein Bild auch tausendmal mehr Speicherplatz beansprucht. Mal abgesehen davon, daß man sich als Fachmann “aus Prinzip” darüber Gedanken macht, gibt es auch heute noch praktische Gründe zur Datenreduzierung:

  1. Etwa 50 Prozent der Besucher von Websites kommen heute mobil auf die Seite, über Smartfon oder Tablett-PC, vielleicht auch per “Ultrabook”. Mal abgesehen davon, daß viele Mobilfunktarife eine Traffic-Volumen-Klausel haben, ist es natürlich auch ein Aspekt der Übertragungsgeschwindigkeit. Und wenn sich eine Seite zu langsam aufbaut, ist der potentielle Kunde weg.
  2. eBooks können als Fachbuch ebenfalls Bilder enthalten, je nach Thema durchaus sehr viele. Die meisten eBook-Reader haben verhältnismäßig kleine Speicher, da sie eher auf Romane ausgelegt sind (praktisch nur Text), so daß megabyte große Bilddateien u. U. zu technischen Problemen führen können. Außerdem stellt Amazon KDP-Autoren zusätzlichen Traffic in Rechnung!

Sich über Datenmengen Gedanken zu machen kann also auch ganz handfeste finanzielle Vorteile haben. Wie kann man dies bei Bildern konkret umsetzen?

Neben der Verwendung einer fürs Web oder eBooks angemessenen Bildgröße, spielt natürlich die Komprimierung eine Rolle. Zwar gibt es bei TIF eine verlustfreie LZH-Komprimierung, aber es ist eben kein Web-Format und meist trotzdem noch sehr groß. In Frage kommt deshalb nur das verlustbehaftete JPG. Dort gibt es meist einen Regler über den man die Intensität steuern kann.

PIXresizer

Ein Tool, das bei dieser Aufgabe behilflich sein kann, ist PIXresizer (Windows). Dort kann man Größe und Dateiformat in einem Schritt ändern.

PIXresizer setzt bei der Optimierung auf Größe

PIXresizer setzt bei der Optimierung auf Größe.

Die Bedienung ist einfach, erlaubt allerdings auch keine weiteren Einstellungen wie beispielsweise bei der JPG-Komprimierung. Das Programm kann sowohl einzelne Bilder als auch ganze Verzeichnisse verarbeiten. Das etwa 800 kByte große Beispielbild schrumpft inklusive Größenanpassung auf 78 kByte.

RIOT

RIOT steht für Radical Image Optimization Tool (Windows). Die Benutzeroberfläche ist etwas “komplizierter”, bietet dafür aber auch mehr Möglichkeiten. Beim Öffnen großer Bilder ist eine frei wählbare Verkleinerung möglich (hier 640 x 480 Pixel, VGA). Der Vollautomatik-Modus macht aus 800 kByte ca. 49 kByte, als JPG mit “80 Prozent” — die Bildqualität ist in Ordnung.

RIOT: Kleines Bild mit Einbußen, aber noch brauchbar.

RIOT: Kleines Bild mit Einbußen, aber noch brauchbar.

Doch erst “händisch” kann man das letzte aus einem Bild herausholen. Dann nämlich habe ich die Möglichkeit bis an die Grenzen zu gehen und bewußt Abstriche in Kauf zu nehmen. Konkret kann man über den “Quality”-Schieberegler die JPG-Komprimierung steuern und vor allem schon am Bildschirm in der Vorschau direkt beurteilen. So achte ich bei dem Objektiv auf eine lesbare Skala, während ich bei den Lichtreflexen leichte Artefakte in Kauf nehme.

Tipp: Über die “in-place compare” Funktion kann man Original und Ergebnis auf Klick vertauschen und so Veränderungen im Detail sehr gut beurteilen.

Mit den manuellen Einstellungen mache ich so aus ursprünglich 800 kByte eine Datei mit sparsamen 16 kByte. Bei sehr stark grafisch ausgelegten Bildern (Grafik, Screenshot, Illustration) lohnt sich auch ein Blick auf das gute alte GIF. Es bietet zwar nur 256 Farben (Reduzierung auf 16 möglich) zeichnet dann Text meist schärfer.

Fazit

Das Einsparpotential ist enorm. Sicherlich kann man mit der generellen Einstellung “80 Prozent” bei JPG schon viel erreichen. PIXresizer macht in einem Schritt aus dem 803 kByte großen Original 78 kByte. Wenn man die Regler manuell einstellt, kann man mit RIOT allerdings beachtliche 16 kByte rausquetschen (ist natürlich vom Bild abhängig).

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