Beautyretusche — nix für Amateure

Zu Analogzeiten ist das Arbeiten im Fotolabor eher Ausnahme, heute fühlt sich auch ein Amateur dazu verpflichtet, jedes Bild zu photoshoppen. Gerade bei Personenaufnahmen gehört es besonders für Profis zum guten Ton, wie uns Evangeline Cooper in einem 30minütigen Video vorführt: vom unbearbeiteten Ausgangsbild zum fertigen Composing. Verflüssigen, Beautyretusche, Dodge und Burn, Hintergrund anpassen, neue Hintergrundtextur einfügen, Farbkorrektur — von Anfang bis Ende ist alles dabei. (Quelle: a. a. O.)

Mich wundert es schon lange, warum “Supermodels” so unverschämt viel Geld “verdienen”, wenn doch immer wieder in vorher/nachher-Vergleichen wie beispielsweise “Before and after photoshop” gezeigt wird, daß sie ungeschminkt und ohne Photoshop die gleichen Problemzonen wie alle anderen haben. Und für gutes Benehmen und tolle Mitarbeit an den “Shootings” kann der Preisaufschlag ja nicht gelten…

Die eingebetteten Originale via “Imgur” (Quell: a. a. O.)

Bildbearbeitung ist m. E. immer ein Balanceakt zwischen Fehlerkorrektur und Manipulation. Es ist eine Sache, wenn man einen Hitzepickel auf der Nase (der sonst nicht da ist) “wegstempelt”, doch was macht man bei einer Warze/Leberfleck/Äderchen, die immer da sind? Erstaunlich viel diskutiert wurde über Achselnässe bei Angela M. (gerade im Journalismus ein wichtiger Gedanke). Doch wie die Beispiele oben mal wieder zeigen, wird in Hochglanzmagazinen aber noch viel mehr und m. E. Unnötiges gemacht: Eine schlanke Frau wird noch schlanker (verflüssigen läßt grüßen), eine sonnenbankgegerbte Haut wird glattgebügelt, Ränder unter den Augen verschwinden und selbst Haarsträhnen werden hinzugefügt. Ja, es ist mühsam schon bei der Aufnahme alles zu berücksichtigen… und manches ist eben “unmöglich”.

Das setzt nicht nur fragwürdige Maßstäbe in Sachen “Schönheitsideal”, sondern leider auch beim Fotohobby: Die “VIPs” eifern dem Hochglanzideal nach und präsentieren auch der Usergroup in der deutschen Eckkneipe wie aus dem Ei gepellte “Modelshootings” und haben sogar einen Assistenten, der die unverzichtbaren Blitzköpfe, Lichtformer, Reflektoren durchs Gelände schleppt. Schon mehr als einmal haben mich Neulinge in der Runde darauf angesprochen, daß sie sich nicht trauen ihre Bilder zu zeigen, weil sie ja nur eine Bridgekamera mit Aufsteckblitz haben und nicht Photoshop können… So ein S***! Die größere Kunst ist es doch, ein Foto ohne Tecknikoverkill zu machen, das einen anspricht und zu Diskussionen anregt. Und seit sich die “VIPs” aus den niederen Gründen der Amateure verabschiedet haben, sieht man wieder viele ungeschminkte Ansätze und Verabredungen zu spontanen Fotoexkursionen.

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