Backup, Backup, Backup — jetzt 30% mehr Inhalt

Wie groß ist die Festplatte deines Computers, wieviele externe Platten benutzt du? — Und wie machst du ein Backup? Aha, du hast ein NAS, das nutzt du ausschließlich für Backup? Ach, doch nicht…

Datensicherung per Festplatte.

Datensicherung per Festplatte.

Viele Nutzer verwechseln hohe Speicherkapazität mit Sicherheit. Ein NAS (network attached storage) hat je nach Betriebsmodus (RAID) zwar eine gewisse Ausfallredundanz, stellt aber keine autarke Sicherungskopie dar. Und wehe, es fällt nicht nur eine Festplatte aus, sondern die Steuerungselektronik des NAS-Servers selbst geht flöten, dann geht u. U. nix mehr. — Ich verfolge deshalb seit Jahren eine andere Taktik…

Mut zur Lücke

Was umfaßt überhaupt ein Backup? Im einfachsten Fall machst du eine komplette Kopie deines gesamten Systems und nutzt dazu eine spezielle Software (Mac-User schwören da auf “time machine”, bei Windows gibt es m. W. kein so präsentes Programm). Bei solch einer Lösung stören mich folgende Dinge:

  • ich brauche kein komplettes Backup und unterscheide zwischen Betriebssystem, Programmen und Daten
  • ich möchte das Backup unabhängig von bestimmter Hard- oder Software nutzen können
  • da ich viel fotografiere, fallen überproportional viele und immer größere Bilddateien an
  • meine Manuskripte erzeugen im Verhältnis zum Aufwand wiederum nur sehr kleine Dateien

Strategie (Datenmanagement)

Backup ohne Backupsoftware setzt allerdings voraus, daß du deine Daten einigermaßen strukturiert ablegst: Das fängt bei der Trennung von Betriebssystem und Programmen auf der einen und Daten auf der anderen Platte an. Dazu kommen Unterverzeichnisse, beispielsweise für Bilder, eigene Texte usw. — bis zu einem gewissen Grad bietet Windows so etwas über den “Eigene Dokumente”-Ordner an — der liegt allerdings standardmäßig im Betriebssystemordner, was eine unerwünschte Vermischung bedeutet [Update: kann man allerdings ändern]. Auf der anderen Seiten darf es nicht zu kompliziert werden, denn dann verbleibt das Backup bekanntermaßen.

Speichermedien

Als vor langer, langer Zeit “die” Festplatte um die 50 Megabyte faßt, macht man ein Backup auf Disketten (das sind dann um die 50 Stück…). Bei den 5-Gigabyte-Platten lohnt sich der Einsatz von CDRs, bei 50 Gigabyte kommen DVDs zum Einsatz. Das macht man aus einerseits aus Kostengründen, andererseits hat der damit verbundene Medienbruch auch Vorteile: Die Festplatte als Arbeitsmedium arbeitet magnetisch, eine DVD optisch, die Risiken einer Beschädigung sind also unterschiedlich gelagert. Nun sind wir allerdings bei den Festplatten in TB-Speicherregionen vorgedrungen, wo das nicht mehr klappt (in Einzelfällen vielleicht mit Bandlaufwerken).

Festplatte

Für das Backup einer Festplatte kommt praktisch nur eine Festplatte in Betracht. Meine grundlegenden Überlegungen dazu habe ich bereits vor einiger Zeit in meinem Artikel “Backup, Backup, Backup!” erläutert. Obwohl ich von den wichtigsten Daten immer eine autarke Kopie habe, bin ich trotzdem nicht konsequent: Zwar schalte ich die Backupplatte anschließend aus und lagere sie bei längerer Abwesenheit in einem Stahlschrank, aber immer noch im selben Haushalt. Das heißt, bei Einbruch oder Schlimmerem, sind die Daten noch immer gefährdet. Ich brauche also einen zweiten Sicherungssatz, den ich extern lagern kann: die kleinen Textdateien der Manuskripte wandern zusätzlich in einen Online-Speicher, bei den Fotos ist die Masse einfach zu groß und vor allem die Transfergeschwindigkeit zu gering.

Zur Zeit verwende ich in meinem “Toaster” zwei “alte” mechanisch drehende 2-TB-Festplatten (weil ich die “am Lager” hatte). Es stellt sich jetzt die Frage, jetzt einfach zwei weitere zu kaufen — oder das Konzept in diesem Detail zu überdenken… Eine 3,5 Zoll große Seagate Barracuda mit 2 TB kostet rund 70 Euro (Amazon, Juni 2017), zwei Stück also 140 Euro. Dann müßte ich jeweils zwei Platten hin und her tragen — warum nicht stattdessen auf eine 4-TB-Platte wechseln, die kostet mit doppelter Kapazität und und halber Arbeit nämlich nur knapp 110 Euro. Du sparst 30 Euro und mußt dich nur um eine Platte kümmern (in diesem Fall natürlich außerdem um die beiden in Gebrauch befindlichen). Allerdings braucht man einen Toaster (Festplattendock) oder ein Anschlußkabelkit, wobei das für 3,5 Zoll notwendige Netzteil am nervigsten ist.

Ich gehe also einen Schritt weiter und konzentriere mich auf eine komplette externe Festplatte im 2,5-Zoll-Format: sie ist handlicher und benötigt außer dem USB-Kabel kein Zubehör (vor allem kein zusätzliches Netzteil). Und die Kosten liegen je nach Ausstattung um die 140 Euro für eine Platte mit 4 TB. In die engere Auswahl kommen bei mir die Seagate Backup Plus (1 bis 5 TB) oder WD My Passport (1 bis 4 TB). Beide Modelle gibt es in unterschiedlichen Gehäusefarben, so daß man sie farblich sowohl von den “normalen” Platten absetzen als sie auch untereinander unterscheiden kann.

Strategie (Hardware)

Ich entscheide mich für die WD My Passport in den Signalfarben rot und gelb mit jeweils 4 TB. Die Verpackung besteht überwiegend aus Pappe statt Plastikmüll, dafür wirkt das Gehäuse allerdings eher wie ein billiger Plastikbomber. Immerhin gehört zum Lieferumfang ein ca. 45 cm langes USB-3-Kabel in Gehäusefarbe.

Natürlich werden auch ein Haufen Programme mitgeliefert, doch wenn eine Internetverbindung besteht, werden sie frisch herunter geladen. Ich verwende die mitgelieferteWie immer gibt es eine Menge Zugaben... Backupsoftware allerdings nicht.

Wie immer gibt es eine Menge Zugaben…

Auch jetzt kommt wieder das Programm SyncBackFree zum Einsatz. Das Schöne an SyncBackFree ist, daß es keine Verwaltungsdateien usw. führt, sondern zum Abgleich jedesmal die Verzeichnisse neu scannt. Das kommt mir zu Gute, wenn ich den ganzen Vorgang mit der unterschiedlichen Platte wiederhole, bedeutet aber einen höheren Zeitaufwand.

Strategie (Software)

Ich mag es nicht, wenn das Backupprogramm eine “black box” ist und schätze das einfache das 2-Fenster-Prinzip — links Quelle, rechts Ziel — wie es seit dem legendären Norton Commander bekannt ist und heute in Nachprogrammierungen wie Total Commander oder Midnight Commander (Linux) verwendet wird. Prinzipiell könnte man das o. g. Backupszenario auch mit dem Dateimanager bzw. Finder abwickeln, aber gerade bei Windows gibt es nervende Rückfragen oder das System kommt aus dem Tritt und “vergißt”, was bisher geschafft wurde. Deshalb verwende ich SyncBackFree.

SyncBackFree kopiert fehlende Dateien.

SyncBackFree kopiert fehlende Dateien.

Doch was genau bedeutet “Backup”? Die Software bietet unterschiedliche Modi (bei anderen Programmen könnten die selben Begriffe anderes bedeuten!). In diesem speziellen Szenario wird berücksichtigt, daß die Backupplatte “Ziel” ausschließlich(!) fürs Backup genutzt wird und zwischenzeitlich nicht an einen anderen Rechner angeschlossen wird, sich auf der Platte zwischen den Backupläufen absolut nichts ändert (kein Eingriff von dritter Seite).

sichern

Grundsätzlich werden Dateien von der Quelle zum Ziel kopiert. Ist in der Quelle eine Datei hinzu gekommen wird sie zum Ziel kopiert, wird in der Quelle eine Datei gelöscht, bleibt sie im Ziel bestehen.

Langfristig wächst das Ziel und beansprucht mehr Platz als die Quelle, im Backup Ziel befinden sich Dateien, die man eigentlich nicht mehr haben möchte… Ich verwende diese Einstellung für meine Manuskripte, da es nicht um große Datenmengen geht und der Arbeitsaufwand pro Datei sehr hoch, wenn sie versehentlich gelöscht wird. Da darf es ruhig eine Sicherung mehr sein.

synchronisieren

Grundsätzlich werden Dateien von der Quelle zum Ziel kopiert. Ist in der Quelle eine Datei hinzu gekommen wird sie zum Ziel kopiert — und vom Ziel in die Quelle (was bei einer reinen Backup-Festplatte nicht vorkommen sollte). Verwende ich nicht, weil die Platten nur an dem einen Rechner und ausschließlich zum Backup betrieben werden.

spiegeln

Grundsätzlich werden Dateien von der Quelle zum Ziel kopiert. Ist in der Quelle eine Datei hinzu gekommen wird sie zum Ziel kopiert — aber: was in der Quelle gelöscht wird, wird auch am Ziel gelöscht!

Das habe ich so eingerichtet, damit ich beim Sichten oder Aufräumen gelöschte Bilder nicht auf ewig in der Sicherung mitgeschleppt werden. Gefahr: werden durch eine Fehlfunktion/-bedienung in der Quelle wichtige Dateien (unbemerkt!) gelöscht, verschwinden sie — nach dem Spiegeln — auch in der Backup-Sicherung! Quelle und Ziel sind prinzipiell gleich groß.

Da die Backupplatten nur unmittelbar zum Backup angeschlossen werden, nutze ich keine Terminplanung, sondern starte den Prozeß nach Bedarf. D. h., ich muß selbst dran denken und anschieben… Auch wenn der Abgleich und das dateiweise Kopieren verhältnismäßig langsam sind, stört mich das nicht, weil ich es im Hintergrund laufen lassen kann.

Feineinstellung

Die Idee dieser Backup-Strategie ist, die selben Sicherungsskripte abwechselnd auf die beiden Festplatten anzuwenden. Leider gibt es eine Tücke: Der selbe Mechanismus, der dafür sorgt, daß eine mobile Festplatte beim Anschließen immer den selben — und nicht den nächst besten freien — Laufwerksbuchstaben bekommt, hält so leider auch meine beiden “Wechselfestplatten” auseinander, so daß nach einem Austausch der Platten die Backupskripte leider nicht die jeweils andere Platte finden — weil sie sicherheitshalber einen anderen Buchstaben zugewiesen bekommt. Dann kannst du entweder jedes Mal den Buchstaben in der Datenträgerverwaltung neu zuordnen oder die Skripte jeweils mit einem zweiten Buchstaben anlegen… Zum Glück kann man die bestehenden Skripte kopieren und dann relativ schnell über Bearbeiten [Strg][M] anpassen, danach umbenennen [F2] und in ein neues Gruppenprofil schieben.

Tipp: In der Standardeinstellung werden Profile/Skripte sowohl einzeln als auch als Teil eines Gruppenprofils angezeigt, was ziemlich unübersichtlich werden kann. Über Einstellungen –> Nur Gruppen und ungruppierte Profile anzeigen wird diese Dopplung vermieden.

 

Fazit

Das Konzept hat sich bewährt und ist mit dem Wechsel der Platten zwischen zwei Lagerorten noch ein Stückchen sicherer geworden. Damit man für den Sicherungs- bzw. Austauschrhythmus keine komplizierten Listen führen muß, ordne ich den Farben erschließbare Regeln zu:

  • rote Platte: ungerade Monatszahlen bzw. ungerade Kalenderwochen
  • gelbe Platte: gerade Monatszahlen bzw. gerade Kalenderwochen

In Anbetracht der zunehmenden Datenschnüffelei durch Aushöhlung der Grundrechte oder ggf. durch Diebstahl könnte im nächsten Schritt eine Verschlüsselung hinzukommen — aber damit sperrt man sich im worst case bis zu einem gewissen Grad selbst aus…

Allerdings mußt du bedenken: damit sind nur die individuellen Daten gesichert. Die Einrichtung des Betriebssystems und der Programme ist damit nicht abgedeckt. Dafür suche ich mir eine separate Lösung, weil sich einerseits dort nicht soviel ändert, andererseits aber auch Besonderheiten wie Bootbarkeit und Kopieren geöffneter Dateien berücksichtigt werden müssen.

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