Automatische Textanalyse

Ein Autor hat es nicht leicht — da kann man 500 Seiten tolle Informationen liefern und in “Rezensionen” wird dann der (angebliche) Komma-Fehler auf S. 157 wortreich beanstandet… Gerade im Home-Office stehen aber selten ein Korrektor oder Lektor zur Verfügung, worunter gerade kürzere Texte leiden.

Die Textanalyse gibt zumindest Anregungen.

Die Textanalyse gibt zumindest Anregungen.

Eine kleine Hilfe zur Selbstkontrolle kann die Online-Textanalyse der Wortliga bieten. Dabei geht es weniger um profane Rechtschreibung, sondern anspruchsvoller um Stilfragen. Der Text wird in ein Formular geschrieben/kopiert und automatisch analysiert. Dies kann zwar einen geübten Autoren nicht ersetzen, aber interessante Anhaltspunkte liefern.

Das Ergebnis der Analyse wird sehr plastisch dargestellt. Am rechten Bildrand erscheinen rund ein Dutzend Hinweisboxen mit drei klaren Einschätzungen: grün = OK, gelb = überprüfen und rot = (möglicherweise) falsch. Da eine maschinelle Prüfung immer gewissen Einschränkungen unterliegt, sind die Werte natürlich “relativ”, was auch entsprechend erläutert wird.

Sehr praktisch: Wenn man mit der Maus über die Hinweise fährt, werden die beanstandeten Stellen im Text gelb hervorgehoben. Das exemplarische Ergebnis für meinen Probetext zur Verbreitung von CMS in Deutschland — und meine “Entschuldigungen” dazu.

  • Lesbarkeit
    Ihr Text ist gut lesbar. (Index: 67)
  • Keywords
    Ihr Text enthält eine optimale Anzahl des Haupt-Keywords.

    Relevante Begriffe in einem interessanten Text zu verwenden ist m. E. die sicherste und seriöseste Art von “SEO”.

  • Satzlänge
    5 Sätze Ihres Textes sind zu lang.

    Beanstandet werden eine Tabelle und zugehörige Fußnoten, die von dem Programm nicht entsprechend erkannt werden. Ich vermute, daß die Satzlänge an Hand der Kombination “Punkt – Leerzeichen” definiert ist, die es dort nicht gibt.

  • Passiv-Sätze
    Ihr Text enthält keine Passiv-Sätze.
  • Zeitform Perfekt
    Ihr Text enthält keine Sätze im Perfekt.

    Versuche ich tatsächlich zu vermeiden, obwohl man sicherlich Gegenbeispiele finden wird.

  • Unpersönliche Sprache
    Ihr Text enthält keine unpersönliche Sprache.

    Auch hier: Glück gehabt. Gerade, wenn man sich auf unsichere Angaben beziehen muß, kann man sich dadurch etwas distanzieren und dies so auch zum Ausdruck bringen. Insofern sehe ich darin nicht immer einen Nachteil.

  • Zahlen
    Zahlen von 1 bis 12 sollen ausgeschrieben werden (9x). Ausnahmen siehe Infobox.

    In der Hauptsache bezieht sich die Kritik auf Versionsnummern der Programme sowie eine numerierte Aufzählung. Darüber hinaus bin ich im Kontext einer Plazierung oder Prozentangabe der Meinung, daß Ziffern sich schneller erfassen und vergleichen lassen und weiche dann bewußt von dieser Regel ab.

  • Abkürzungen
    Abkürzungen sind nicht erwünscht (2x).

    Auch hier mein Widerspruch: Bekannte Abkürzungen wie “bzw.” oder “ggf.” machen einen Text besser erfaßbar und man zeige mir jemanden, der statt DNS lieber Desoxyribonukleinsäure schreibt/liest. Eine generelle Ablehnung von Abk. kann ich deshalb nicht unterstützen.

  • Wortlänge
    Sie haben 1 zu lange Wörter im Text verwendet

    Das Programm findet “anbietergebundenen” zu lang.

  • Füllwörter
    Sie verwenden einige Füllwörter (17x).

    Ja, ich verwende gerne ein paar Füllwörter, weil ich die Texte oft halblaut vor mich herbrubbele. Das soll die Informationsdichte für den Zuhörer/Leser erträglich machen. Manchmal relativieren solche Begriffe auch allzu direkte/harte Aussagen.
    Darüber hinaus kann man nicht alle beanstandeten Begriffe einfach weglassen oder ersetzen (ich vermute, daß die Analyse auf einer “böse Wörter”-Liste beruht, die den Kontext nur teilweise berücksichtigt)
    .

  • Phrasen
    Ihr Text enthält keine Phrasen.
  • Nominalstil
    Vermeiden Sie den Nominalstil nach Möglichkeit (5x).

    Beanstandet werden die Begriffe “Verbreitung”, “Webentwicklung” und “Auswertung”. Ich finde, man kann sie hier nicht vermeiden, aber die Häufung von “Verbreitung” abbauen.

 

Trotz gewisser Einschränkungen, die eine automatisierte Textanalyse mit sich bringt, ist dies ein interessantes Tool. Man muß nicht alles glauben, kann aber alle beanstandeten Textstellen überprüfen. Wenn man auch nur eine Handvoll Kleinigkeiten ändert, hat sich der Einsatz schon gelohnt.

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