Auf der Sucher nach der “richtigen” Tastatur: Logitech, Microsoft oder Cherry?

Die Tastatur wird als wichtiges Eingabemedium unterschätzt. Lange Zeit ist sie “unbedeutende” Zugabe eines Komplettsystems oder kostet schlappe 9,99 Euro Aufpreis. Entsprechend ist die Wertschätzung. Lediglich — ausgerechnet — Gamer wissen gelegentlich ein gutes Keyboard zu schätzen — die einen wegen cooler Lichteffekte, die anderen wegen zuverlässiger mechanischer Schalter.

Tastaturen im Vergleich: Microsoft, Logitech, Cherry. (Bild:Luhm)

Tastaturen im Vergleich: Microsoft, Logitech, Cherry.
(Bild:Luhm)

Als Vielschreiber plage ich mich nun schon einige Zeit mit dem Thema Tastatur herum. Trotz — oder gerade — wegen der Featurezähler ist es leider gar nicht so einfach, eine brauchbare Tastatur zu finden. Es gibt zwar eine riesige Auswahl an Tastaturen zwischen 4,49 Euro und 1.300 Euro , und obwohl mein Limit bei 100 Euro liegt, habe ich bisher nicht die perfekte Lösung gefunden…


Anforderungen

Neben der Ausstattung ist inzwischen vor allem die Qualität ein Problem. Während meine ersten Tastaturen aus den 90er meist nur aus Geschmacksgründen aussortiert werden oder weil beim neuen Computer wieder eine neue “dabei” ist, suche ich nun gezielt. Kabelgebunden schreibe ich lange Zeit mit einer Art Notebook-Tastatur, die es bis heute tut. Da auf meinem Schreibtisch oft auch Papiere und Bücher zu finden sind, bevorzuge ich seit geraumer Zeit schnurlose Tastaturen. Dabei geht es nicht um “Fernbedienung”, sondern um von schweren Stapeln eingeklemmte Kabel oder das leichte Wegräumen, wenn die Tastatur nicht benötigt wird. Das gleiche gilt übrigens für die Maus: Dazu kommt, daß bei Feinarbeiten in Corel Draw oder Maskieren in Photoshop bzw. Lightroom es mich irritiert, wenn sich durch Bilden einer Schlaufe oder Anstoßen eine gewisse Zugkraft/Gegendruck auf die Bewegung ausgeübt wird. Auflösung und Geschwindigkeit spielen dagegen eine untergeordnete Rolle. — Anforderungen:

  • kabellos
  • Empfänger möglichst für Tastatur und Maus zusammen
  • ordentliche “normale” Funktionstasten
  • Sondertaste für Lautsprecher
  • Ziffernblock entbehrlich
  • haltbare Beschriftung
  • kein Klavierlack(!!!)

Eigentlich gehört in diese Aufstellung auch das Kriterium mechanische Tasten, vorzugsweise Cherry MX blue — das scheint es momentan in Kombination mit Funk nicht zu geben bzw. nur von Exoten und für 180 Euro… Also hoffe ich erstmal auf gute Membranen.

Logitech UltraX & K360

“Früher” ist Logitech das Maß aller Dinge, primär bei Mäusen. Wegen der aufkommenden Sondertasten für MP3-Software usw. entscheide ich mich für eine “Ultrax Cordless Media Desktop” im Set mit einer Funkmaus. Das Keyboard ist recht flach, hat aber ein gutes Tippgefühl. Über Sondertasten kann ich die Lautstärke direkt ein- bzw. abstellen, was bei ungefragt abgespielten Videos im Browser eine große Hilfe ist. Obwohl sie gelegentlich den Kontakt zum Empfänger verliert, bin ich zufrieden… Bis nach ein paar Jahren die linke Umschalt-Taste (shift) aussetzt. Mit ein bißchen Gefrickele kann ich sie ein paarmal wiederbeleben, aber eine echte Reparatur ist auch durch den Hersteller nicht möglich (oder nicht gewollt…).

Noch bin ich nicht mißtrauisch, und kaufe beim Discounter meines Vertrauens kurz entschlossen eine neue Tastatur von Logitech, denn der hat die K360 gerade im Angebot (ca. 30 Euro). Es ist allerdings kein Set mit Maus. Pluspunkt ist das “unifying”-Konzept, mit man du mehrere, auch einzeln gekaufte, Logitech-Geräte an einen Empfänger koppeln kannst. Obwohl ich theoretisch die alte Maus mit dem alten Funkempfänger — leider noch ohne unifying — weiterverwenden könnte, kommt noch eine passende Maus dazu (ca. 30 Euro), die ich zusammen mit dem “all in one”-Dongle nutzen kann.

Tastatur Logitech K360

Tastatur Logitech K360.

Leider merke ich erst zu Hause, daß die Tastatur auf der Oberfläche ein “wirres Design” hat — allemal besser als die blendende sog. Klavierlackoptik mit der Billigplastik schöngeredet wird. Das Tippgefühl ist akzeptabel. Dank Rechtschreibkontrolle und Autokorrektur merke ich lange Zeit nicht, daß gelegentlich Buchstaben verschluckt werden — liegt es an der Tastatur oder an einem überlastetem Computer..? Ich schiele schon mal auf Ersatz.

Alternative Microsoft Arc & Sculpt

Weil Microsoft in Sachen Hardware einen ganz guten Ruf hat, sehe ich mir deren Modelle an. Gut gefällt mir die Microsoft Arc (ca. 50 Euro). Sie bietet durch Form und Tasten ein angenehmes Schreibgefühl, kommt ohne Ziffernblock aus, hat die gewünschten Sondertasten für Ton. Leider vernachlässigt man die Standard-Funktionstasten:

  • es sind eher Taschenrechner-Druckknöpfe als tippbare Tasten
  • Anordnung außerhalb des Rasters
  • idiotische Belegung in Kombination mit “Fn”-Taste

Sie liegt als “Reserve” seit Monaten ungenutzt im Hardware-“Lager”. Eine Maus muß separat gekauft werden und benötigt einen zweiten Empfänger — unpraktisch. Zwischendurch muß die Logitech wieder ran…

Die Microsoft Arc ist leicht gewölbt.

Die Microsoft Arc ist leicht gewölbt.

Als vermeintlich verbesserte Lösung entdecke ich die Microsoft Sculpt (ca. 35 Euro), die per Bluetooth verbunden werden soll. Die Tasten — auch F-Tasten — sind besser angeordnet, ebenfalls kein Ziffernblock. Das Tastenfeld ist nicht mehr gewölbt, sondern gebogen und liegt sehr flach, die Aufstellfüßchen sind ein Witz (oder fehlen?). Auch hier kostet die Maus nicht nur extra, sondern benötigt ggf. einen separaten Empfänger, was zwei USB-Ports belegt. K.O.-Kriterium ist schließlich, daß die Tastatur sich nicht zuverlässig mit meinem Bluetooth-Empfänger koppeln läßt — kann natürlich am Empfänger liegen, aber ich habe keine Lust, tagelang rumzuprobieren. Zum Glück ist bei Amazon die Rückgabe ja kein Problem. — Die Logitech muß wieder ran…

Ist Cherry die Lösung?

Seit Monaten bin ich nun auf der Suche und schiebe das Problem vor mir her. Die Aussetzer der Logitech treten gelegentlich so massiv auf, so daß ich sekundenlang warten muß. Die Beschriftung schwindet, ein Aufstellfüßchen ist abgebrochen und ein bekanntes Phänomen tritt auf: die linke STRG-Taste setzt aus. Da ich die Zwischenablage auch für ein Tool mit Textbausteinen verwende, ist der Workflow teilweise zäh.

Da Umschalt (shift) und Steuerung in Kombination mit vielen anderen Tasten besonders beansprucht werden, sollten sie ggf. solider ausgeführt sein. Dies gilt insbesondere für die linke Seite, wenn man mit der rechten Hand die Maus steuert. Die Entschuldigung “übermäßige Nutzung” lasse ich nicht gelten, da die anderen Tasten sich bester Funktion erfreuen.

Obwohl ich in Geschäften jede Gelegenheit nutze, nach einer guten Tastatur Ausschau zu halten finde ich nichts kabelloses — doch wieder zum Kabel? Nach erneuten Recherchen entscheide ich mich “nach Aktenlage” für die Chrerry DW 5100 (ca. 35 Euro), einem Set aus Funktastatur und Funkmaus. Im Gegensatz zu preiswerteren Variante für ca. 25 Euro hat sie die gewünschten Sondertasten und eine etwas größere Maus. Obwohl Cherry, gibt es sie nicht mit den gewünschten mechanischen Schaltern, ich hoffe aber auf ein gewisses Niveau.

Tastatur Cherry DW 5100.

Tastatur Cherry DW 5100.

Endlich wird die Cherry geliefert: Der Karton ist überraschend groß und schwer: Etwa 800 Gramm inkl. Batterien wiegt allein die Tastatur — und sie ist eine nicht nur wegen des Ziffernblocks eine ganze Ecke breiter. Das Schreibgefühl ist leider auch nur “ganz gut” (für eine Tastatur dieser Bauart), an die weiteren Wege muß man sich auch erst gewöhnen — hoffentlich hält sie wenigstens technisch besser durch. Im Gegensatz zur Behauptung einigen Rezensionen scheinen mir die Tasten nicht gelasert, sondern “Klebebildchen” — das verspricht nicht gerade besondere Abriebfestigkeit. Die Maus ist prima, das Mausrad läuft gerastet, hat zusätzlich zwei Tasten für vor und zurück (was o. g. Logitech allerdings durch Kippeln des Mausrades kann).

Ich gebe der DW 5100 eine Chance, halte beim Aufräumen des Dachbodens aber nach meiner alten Philips-Tastatur Ausschau — wie ist nochmal die alternative Tastenkombination, wenn eine Tastatur keine Windows-Taste hat? Allerdings sollte man sich wohl mit dem schwammigen Tastgefühl langfristig abfinden, denn beim Notebook hat man nicht die Wahl und dort findet die Tastatur leider nur als Störfaktor hinsichtlich der Bauhöhe Berücksichtigung…

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