Auf dem Weg zum E-Buch — aus einer Website.

Mein erstes E-Book ist “live ” und ich bin um einiges an Erfahrung reicher: BildSicherlich kann man mit Word u. ä. arbeiten und dann einfach die “gefilterte HTML”-Datei hochladen, der KDP-Import-Konverter wird’s schon richten… Bei einem Roman ein durchaus gangbarer Weg, bei einem Sachbuch mit Bildern, Links usw. nicht unbedingt. Und wenn man hinter die Kulissen guckt (also den XHTML-Quelltext), gruselt es einen.

Mein zweites E-Buch mit neuem technischen Konzept

Deshalb starte ich einen zweiten Versuch. Ich hoffe ja noch immer, die vielen im Blog veröffentlichten Einzelartikel als Grundlage für ein E-Buch verwenden zu können — ist ja ein ähnliches Dateiformat. Trotzdem findet sich leider kein wirklich brauchbares Plugin oder externes Tool, fast überall ist Nachbearbeitung notwendig.

Warum denn nicht gleich bei Null im Editor anfangen? Na ja, ganz so extrem mache ich es doch nicht. Ich verwende “copy & paste” direkt von meiner(!) Homepage. Das Ergebnis in Sigil sieht zunächst unspektakulär bzw. “harmlos” aus. Doch als ich den Kontrollblick via “Quelltext-Ansicht” mache, ist das Ergebnis fast noch schlimmer als ein Word-Export.

Quellcode bei direkter Übernahme.

Quellcode in Sigil bei direkter Übernahme aus der Website.

Der obige Screenshot zeigt eigentlich nur einen einzigen einleitenden Satz (oben schwarz markiert): “Wie viele Leute, die sich nicht komplett einem Programm ausliefern wollen, habe ich bisher meine Bilder — trotz Lightroom — von Hand von der Speicherkarte auf die Festplatte kopiert und grob in Ordner sortiert und erst anschließend importiert.” Die farbig markierten Teile sind Stil-Auszeichnungen, etwas was man in dieser Menge in einem E-Buch ganz und gar nicht gebrauchen kann.

Doch diese wundersame Vermehrung liegt nicht an WordPress, sondern an der Art, wie die Zwischenablage (Klemmbrett) Formate mitkopiert und Sigil sie anscheinend großzügig einfügt. Wenn ich mir nämlich den Quelltext direkt im Browser ansehe ([Strg][U]!), dann findet sich dort eine lupenreine Auszeichnung mit <p>...<p>.

Quellcode im Browser.

Quellcode im Browser.

Mit einem Tool wie “Pure Text”, kann man beim Rüberkopieren im Hintergrund einen Text “säubern”, man hat dann aber auch wirklich nur den Text, keine Links, keine Bilder, noch nicht einmal einfache HTML-Tags. Das ist auch nicht wirklich hilfreich. Ich kopiere deshalb den Haupttext direkt aus der Quelltext-Ansicht des Browsers zu Sigil (ebenfalls in der Quelltext-Ansicht). — Eigentlich ein sehr schönes Ergebnis, denn es sieht inhaltlich fast wie das Original aus. Die Links bleiben erhalten, ebenso die Bilder. Leider zerschlägt sich meine Hoffnung, daß Sigil mit dem Speichern die online verbundenen Bilder automatisch in die EPUB-Datei kopiert.

Ich kopiere auf diese Weise einige meiner Beiträge aus dem Blog in die neue Datei und bearbeite sie entsprechend. Dabei stellt sich heraus, daß Word hinsichtlich massenhafter überflüssiger Styles diesmal unschuldig ist. Wenn man mit Sigil in der “Buch-Ansicht” arbeitet, ergänzt Sigil beim Einfügen und Verschieben, aber auch beim Markieren von Listen alle möglichen HTML-Tags mit zusätzlichen Stil-Angaben. Die Logik dahinter verstehe ich nicht so richtig… Wenn ich allerdings gleich in der “Quelltext-Ansicht” arbeite — schnelles Umschalten mit [F2] — werde ich in Ruhe gelassen.

Bilder einfügen

Da die Bilder leider nicht automatisch übernommen werden, muß ich sie manuell übernehmen. Bei dieser Gelegenheit widme ich mich wieder einmal der Größenoptimierung, denn große Dateien kosten ja bekanntlich zusätzliche Transfergebühr:

  1. Kann man den Ausschnitt enger fassen? Spart Dateigröße und kann die sogar die Bildaussage verbessern.
  2. Kann man die absolute Größe verringern? Im Web verwende ich für die Overlay-Ansicht durchaus mal 1.200 Pixel Breite, was für die meisten E-Book-Reader viel zu groß ist. Allerdings hat man auch beim Kindle mit 6 Zoll E-Ink bis zum 10-Zoll-Tablett inzwischen eine große Bandbreite…
  3. Bei JPG die maximale Komprimierung austesten — oder bei grafischen Abbildungen an das gute alte GIF denken. Mit Tools wie “Riot” kann man Qualität und Größe ausprobieren.

Über die genauen Abmessungen mache ich mir keine Gedanken, da es nach der Konvertierung zu MOBI immer automatisch auf Seitenbreite skaliert und darüber hinaus in der Lösche unbenutzte Mediendateien.Zoom-Funktion sogar formatfüllend skaliert werden kann.

Lösche unbenutzte Mediendateien.

Vorsicht: Umlaute und andere “Sonderzeichen” in Dateinamen können verursachen Probleme, Dateien werden zumindest nach der MOBI-Konvertierung nicht erkannt und deshalb nicht mehr dargestellt.

Nach dem Einfügen aller Bilder der ursprünglichen Texte von der Website kommt mir das Buch fast wie ein Bilderbuch vor — also wieder ein paar Bilder löschen. Doch im Text gelöscht heißt nicht aus der EPUB-Datei gelöscht. Dabei bietet Sigil eine wunderbare Funktion: Mit “Werkzeuge | Löschen unbenutzter Mediendateien…” kann man schnell aufräumen ohne versehentlich sichtbare Bilder ebenfalls rauszuwerfen. Das gleich gibt es übrigens für “Styles”, wobei ich die Vorlagen von Sigil erstmal verschone.

Feineinstellungen

Obwohl immer wieder behauptet wird, daß Amazon die Entwicklung eines E-Buches für KDP gut dokumentiere, ist dies m. E. eher durchwachsen. Es gibt zum Teil sehr alte Dokumente oder widersprüchliche Vorgaben, ausgerechnet das eigene E-Buch dazu kommt mit einer Minischrifteinstellung, die man nur bedingt ausgleichen kann. Da Tabellen und einfache Sonderzeichen gerade in einem Sachbuch unverzichtbar sind, probiere ich es einfach aus. Eine Tabelle funktioniert, sie sollte nur nicht zu groß werden: a) bei der Länge sollte sie auf eine Seite passen oder aufgeteilt werden und b) in der Breite viel Luft lassen, da sonst die Spaltenbreite nicht eingehalten oder u. U. abgeschnitten wird. Meine Tastenkürzel-Übersicht ist leider schon etwas zu breit, weshalb ich separat ein PDF zum kostenlosen Download anbiete.

 

Bewertung

[1] *

[2] **

[3] ***

[4] ****

[5] *****

gute Bildidee, verbessert wiederholen

Erinnerungsbild

schon gut, etwas Nachbearbeitung notwendig

gut

das beste…

zusammen mit [?] automatisch zum nächsten Bild; [0] Bewertung zurücknehmen; [,] / [.] ab-/aufwerten

[X] ablehnen (cross out, schwarzes Fähnchen)

[P] annehmen (pick, weißes Fähnchen)

[U] um Status zu löschen oder mit [H] bzw. [Strg] [?] erhöhen bzw. [Strg] [?] verringern

Auch meine Hervorhebung für [Tasten]-Kürzel funktioniert gut. Eine prima Hilfe ist dabei der “Werkzeuge | Clip-Editor…” mit man CSS-Klassen auch in der Buch-Ansicht zuordnen kann (leider zickt er manchmal direkt am Absatzanfang). ?Interne und ?externe Verlinkungen mache ich mit Pfeilen deutlich, da ursprünglich verwendete Minigrafiken die Größenänderungen auf einem Endgerät nicht zuverlässig mitmachen.

Wenn man Arbeitsschritte durchnumeriert, kann es vorkommen, daß eine Liste mit einem höheren Wert beginnen soll.

  1. <ol start=”{zahl}”> = numerierte Liste mit Anfangswert </ol>

Auch die Art der Numerierung kann man steuern:

  1. <ol type=”A”> = numerierte Liste A, B, C </ol>
  2. <ol type=”a”> = numerierte Liste a, b, c </ol>
  3. <ol type=”I”> = numerierte Liste I, II, III </ol>
  4. <ol type=”i”> = numerierte Liste i, ii, iii </ol>

In meinen beiden echten Kindles sowie dem Previewer und der App funktioniert es (bei EPUB nicht immer). Zur internen “Verdrahtung” kann man “id” nutzen, die Sigil z. T. automatisch anlegt, die man aber auch selbst vergeben kann. Dahinter stecken dann die aus HTML bekannten Anker, so daß man nicht nur Kapitel, sondern gezielt Textstellen ansteuern kann. Bei der Gelegenheit lösche ich überflüssige Stilangaben und doppelte Leerzeichen.

Über “Werkzeuge” lege ich zum Schluß sowohl das interne als auch ein HTML-Inhaltsverzeichnis an. Aus alter Gewohnheit habe ich im Text auch Stichwörter markiert, die jetzt zu einem Index zusammengestellt werden können.

Fazit

Viele Wege führen zum E-Book, aber leider keiner, der auf Tastendruck ein fertiges Buch liefert. Selbst wenn ein Text als Word-Dokument oder Website vorliegt, kann es technisch eine Erleichterung sein, doch wenn man einen vernünftigen Text abliefern möchte, muß man ihn sowieso auch inhaltlich überarbeiten. Ich habe darüber hinaus den Ehrgeiz, auch die technischen Möglichkeiten eines E-Buches zu unterstützen, also Kapitelmarken oder ein Inhaltsverzeichnis.

Da sich die Nachbearbeitung eines Word-Exports als arbeitsaufwendig erweist (weil man viel löschen muß), ist Sigil zwar nicht weniger aufwendig, doch dabei fügt man überlegt Code hinzu. Das ganze ist schon ein Schreiben im HTML-Editor und nicht in einer Textverarbeitung, weshalb man ein grundsätzliches Verständnis von HTML und CSS haben sollte. “Hardliner” aus dem Programmierumfeld verwenden deshalb auch gleich ihre gewohnte Entwicklungsumgebung, zumal EPUB im Prinzip nur ein strukturiertes ZIP-Archiv ist (MOBI scheint komplizierter zu sein, weshalb es m. W. nur Konverter dafür gibt). Als dritte Variante werde ich noch etwas mit “Zim” experimentieren mit dem ich als “Desktop-Wiki” ähnlich wie in einem Blog Ideen sammeln kann, dahinter aber auch auf einer HTML-Struktur aufbaut. Am Ende wird es beim jetzigen Stand allerdings auf eine Schlußbearbeitung mit Sigil hinauslaufen.

[Update ]

Bisher verwende ich zur Konvertierung Calibri, das mir aktuell allerdings einen Zirkelschluß in die Kapitelmarken einbaut. Versuchsweise nutze ich Kindlegen, das man alternativ auch mit über den Kindle Previewer starten kann. Technisch ist damit zwar alles in Ordnung, aber dafür ist die Style-Beschreibung für die Tastenkürzel weg, es gibt keine Abstände zwischen Absätzen, dafür aber Einzüge. Tabellen sind außerdem komplett zerschossen… (soll man lt. Amazon ja auch nicht verwenden)

Kindlegen läßt kaum eine Wahl...

Kindlegen läßt kaum eine Wahl…

Auch die manuelle Steuerung, die einen in finstere DOS-Zeit zurück bringt, läßt diesbezüglich keine nennenswerte Steuerung zu.

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