Auf dem Weg zum E-Buch — aus einem Word-Dokument.

Mein nächstes Buch wird voraussichtlich ein E-Buch. Einerseits sind gefragte Themen schon “besetzt”, andererseits werden meine Vorschläge abseits vom Mainstream schnell wegdiskutiert. Mag sein, daß die Verlage Recht haben, muß aber nicht. Außerdem interessieren mich Zusammenhänge und Möglichkeiten. Nach einiger “Grundlagenforschung” noch im gedruckten Selbstverlag, ermöglicht ein E-Buch nun Experimente ohne zusätzliches finanzielles Risiko.

In meinem Beitrag “Welche Software, um ein E-Book zu schreiben?” recherchiere ich zunächst die grundsätzlichen Möglichkeiten und lese mich in das Thema ein. Leider kristallisiert sich dabei kein Königsweg heraus. Obwohl sich E-Bücher so langsam als “zweiter Weg” neben dem traditionellen Papier etablieren, scheint es noch keine Textverarbeitung zu geben, die von Haus aus so selbstverständlich ein E-Book-Format produziert wie beispielsweise RTF, HTML oder PDF. Und das, obwohl die auf (X)HTML basierenden E-Buch-Formate im Grunde genommen nicht besonders exotisch sind…

Wie soll das E-Buch aussehen

Es gibt natürlich, den dunklen Weg zur Macht: Prinzipiell kann man auch einfach eine Word-Datei so wie sie ist direkt im KDP (Kindle Digital Publishing) hochladen — und sich überraschen lassen. Wenn man es mit den Spielereien nicht übertreibt, kann es durchaus klappen. Allerdings ist man dann nur mit einem MOBI vertreten, was ist mit EPUB? Außerdem muß man ganz klar trennen: Ein Roman, der ausschließlich aus Text besteht und nur ein Dutzend einfacher Kapitelüberschriften hat ist technisch relativ einfach zu handhaben. Trotzdem stößt man nicht selten auf kapitale Fehler. Ein Sachbuch hingegen, mit hierarchisch strukturierten Überschriften, Abbildungen und Hyperlinks auf externe Quellen ist technisch deutlich anspruchsvoller — und bietet entsprechend mehr Stolperfallen.

Meine recht aufwendigen Recherchen sollen berücksichtigen:

  • Sachbuch mit mehreren Überschriftenebenen, Abbildungen und externen Links.
  • Schreiben in einer Textverarbeitung, in der man sich auf den Inhalt konzentrieren kann.
  • E-Buch sowohl als MOBI (Kindle) wie auch als EPUB (“Rest der Welt”)

Fast immer müssen mehrere Programme mehr oder weniger eng verzahnt zusammenarbeiten. Leider sind sogar die Informationen von Amazon unvollständig oder sogar widersprüchlich: Mal sind Tabellen möglich, mal nicht. Dann wird für das Erstellen eines Inhaltsverzeichnisses auf eine MS Support-Seite von 2002 verwiesen usw.

Leider kocht Amazon hinsichtlich darstellbarer Zeichen ein sehr eigenwilliges Süppchen: Was in HTML noch wunderbar funktioniert, wird teilweise willkürlich beschnitten. So gibt es beispielsweise keine Pfeile (↑) oder Spielkartenfarben. Eine Tabelle gibt es als GIF!


Was steht zur Verfügung

Mein Manuskript schreibe ich erstmal in Word, einfach weil ich mich damit sehr gut auskenne und praktisch mein gesamtes Archiv darauf basiert. Außerdem ist es noch immer das bevorzugte Format, wenn man mit einem Verlag oder einer Redaktion zusammenarbeiten will — solange ich keine sechsstelligen Honorare fordern kann, braucht man über andere Formate nicht zu diskutieren. Außerdem sollte man ein doc in Reserve haben, falls bei Erfolg des E-Buchs doch etwas Gedrucktes daraus werden soll.

Im Gegensatz zu meinem o. g. ersten Artikel werden einige der Programme nun installiert und das Manuskript ernsthaft damit bearbeitet. Bei solchen Tests ist es m. E. wichtig, daß man mit echten Daten arbeitet und tatsächlich ein produktives Ergebnis erreichen möchte. Bei Versuchen mit Test-Texten, mit Test-Bildern und Test-Programmen treten meist die Tücken der Praxis nicht zu Tage.

Mein Manuskript hat ca. 70 Seiten Umfang, enthält ca. 50 verknüpfte Bilder, Überschriften verwenden die entsprechende Formatvorlage. Für die Hervorhebung von Tastenkürzeln verwende ich eine selbstgebastelte Formatvorlage. Versuchsweise verwende ich auch einige Querverweise auf Kapitelüberschriften, Bilder sind mit der Formatvorlage “Abbildung” beschriftet und ich habe ein Inhaltsverzeichnis vorangestellt.

Erfolgversprechende Ansätze

Ich teste alle möglichen Programme in unterschiedlichen Kombinationen, zum Beispiel auch Atlantis. Zur Zeit konzentriere ich mich aber auf drei erfolgversprechende Wege:

Sigil

Wenn es um E-Bücher geht, wird oft im selben Atemzug schon Sigil als kostenloses Programm mit EPUB-Output genannt. Um es überhaupt nutzen zu können, muß ich mein Manuskript als “gefiltertes HTML” aus Word exportieren. Was da an HTML ankommt ist das übliche Kraut-und-Rüben von Generatoren, bietet aber eine brauchbare Basis. Wer sich mit HTML auskennt kann hier direkt eingreifen und von Hand optimieren. Sigil ist ein Editor, man kann darin sowohl den Text als auch den Code bearbeiten und ist “nah dran”. Notfalls kann man hier auch direkt einen Text schreiben und vermeidet so den Import-“Müll”.

Mit Sigil ist man nah dran am Eingemachten.

Mit Sigil ist man nah dran am “Eingemachten”.

Abschließend kann man tatsächlich direkt als EPUB speichern. Das Ergebnis ist nicht perfekt, aber ordentlich (dazu später mehr). Wer weiterhin nah dran bleiben möchte, konvertiert die Datei via Calibre ins MOBI-Format für den Kindle. Theoretisch könnte auch KDP direkt mit EPUB umgehen, ich würde es aber lieber vorher lokal testen.

Word

Ich schreibe in Word, speichere DOC. Dieses Dokument kann man direkt mit dem Mobipocket Creator umwandeln, allerdings ohne weitere Einflußnahme. Das Ergebnis ist ein brauchbares MOBI, das ich beispielsweise im Kindle Previewer ansehen kann. Die Umwandlung nach EPUB kann man beispielsweise per drag & drop mit Hamster machen. Das ist zweimal “black box” hintereinander, die man nicht weiter beeinflussen kann — außer durch Optimierung des Ursprungsdokuments.

Ein Word-Dokument muß zweimal bearbeitet werden.

Ein Word-Dokument muß zweimal bearbeitet werden.

Libre Office

Es wird die Verfechter der Opensource-Software freuen, daß Libre Office mit dem Plugin writer2epub zur Zeit dem Ideal am nächsten kommt. Man hat direkt in der Textverarbeitung eigene Icons, kann sowohl das Plugin konfigurieren als auch Metadaten zum E-Buch eintragen. Ich verwende die 1er Version, da die Beta der 2er mit einem Laufzeitfehler abbricht (getestet mit Libre Office 4 unter Windows). In den Einstellungen muß der Pfad zu Kindlegen eingetragen werden — so funktioniert der Trick, EPUB und MOBI gleichzeitig produzieren zu können.

Libre Office kann mit einem Plugin erweitert werden.

Libre Office kann mit einem Plugin erweitert werden.

Mein Word-Dokument kann ich allerdings nicht direkt übernehmen. Beim direkten Öffnen wird es in Libre Office zwar zunächst ordentlich angezeigt, produziert bei der Umwandlung aber Fehler, die zum Abbruch führen. Als zweite Chance kopiere ich via Zwischenablage den Text “netto” rüber (ähnlich “Inhalte einfügen”) und setze nachträglich die Formatvorlage für Überschriften. Dann funzt es tatsächlich auf Knopfdruck.

Test der E-Books

Die (Zwischen-) Ergebnisse überprüfe ich immer wieder in Programmen:

  • HTML in Phase5 oder der entsprechenden Ansicht von Sigil.
  • MOBI im Kindle Previewer sowie meinem echten Kindle — schnell erreichbar über “Send to Kindle”; später ggf. auch im Calibre Viewer.
  • EPUB mit dem Sony “Reader for PC ” sowie Calibre Viewer.

 

(Zwischen-) Fazit

Jeder der o. g. drei Ansätze hat was für sich: Im gewohnten Programm Word arbeiten, mit Sigil ein Auge auf den Quellcode haben oder mit Libre Office fast auf Knopfdruck arbeiten können.

Allerdings ist bisher keines perfekt und ich muß das Original Dokument entschlacken. Das heißt, im Prinzip auf alle Formatvorlagen bis auf die Überschriften verzichten. Felder löschen, sowohl in Form der Querverweise (also von vereinfacht von Hand einarbeiten) als auch die automatische Numerierung der Abbildungen — das läßt sich verschmerzen. Seitenumbrüche für die Kapitel sind i. d. R. nicht notwendig und können bei der Umwandlung an Hand der Kapitelüberschriften automatisch erzeugt werden. — In der o. g. Anleitung von wirter2epub weist “Luke” auf die automatisch erkennaten Formatvorlagen hin (bezogen auf Open Office bzw. Libre Office ):

  • Textkörper (Text body) — normale Absätze, sog. Brottext
  • Überschrift 1 (Heading 1) — Hauptkapitel
  • Überschrift 2 (Heading 2) — Unterkapitel
  • Überschrift 3 (Heading 3)
  • Überschrift 4..6 (Heading 4-6) — das ist schon zuviel des Guten…
  • Titel (Title)
  • Untertitel (Subtitle)
  • Zitat (Quotations)
  • Beschriftung (Caption)
  • Randbemerkung (Marginalia)
  • Fußnote (Footnote)

Ob das ganze am Ende den Plattformen wie KDP und der für EPUB (welche?) genehm ist, weiß man noch nicht… Apropos: Man kann diese Formate natürlich auch zum direkten Download auf der eigenen Homepage anbieten (erprobe ich gerade mit einem Plugin). Allemal besser als die ätzenden PDFs.

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