Architekturfotografie

Inzwischen bekomme ich per E-Mail recht häufig Hinweise auf kostenlose E-Books mit Bitte Architektur-Fotografiedarauf hinzuweisen. Irritierend — und eigentlich schon ärgerlich — sind Titel, die überhaupt nicht zu meiner Website passen, wie neulich das Buch zur Kälberaufzucht oder zum Schnittblumenversand.

Architektur-Fotografie

Gerade bekomme ich den Link zum E-Buch “Architektur Fotografie”. Architektur? Damit habe ich nichts am Hut, werden viele denken. Hört sich erstmal ziemlich abgehoben an, doch mit dem Stichwort Reisefotos wird es gleich “volkstümlicher”.

Dementsprechend gehe ich auch davon aus, daß sich dieses Buch eher an Einsteiger und Gelegenheitsfotografen richtet. Es spannt dabei thematisch den interessanten Bogen von Sehenswürdigkeiten auf der Reise mit Unterkapiteln zu Nachtaufnahmen und Panoramafotografie bis zu Fotos für den Immobilienverkauf.

Obwohl als E-Buch bezeichnet und mit einem Seitenspiegel im Taschenbuchformat, ist es letztlich “natürlich” nur ein PDF im Querformat. Dementsprechend kann man es leider nur auf einem ausreichend großen Bildschirm am Computer angenehm lesen (nicht etwa auf einem E-Book-Reader wie beispielsweise dem Kindle).

Nachtaufnahmen macht man als Einsteiger mit dem Motivprogramm Nachtaufnahmen... (Quelle: a. a. O., S. 37)

Nachtaufnahmen macht man als Einsteiger mit dem Motivprogramm “Nachtaufnahmen”…
(Quelle: a. a. O., S. 37)

Für ein Buch hat es sehr wenig zusammenhängenden Text, dafür recht viele Bilder (ca. 11 ganzseitige von insg. 30 Doppelseiten) und eine Menge Infokästen mit “Profi-Tipps” oder Checklisten (S. 17). So ist beispielsweise der Tipp, mit langen Belichtungszeiten störende Personen verschwinden zu lassen, prinzipiell gut (S. 34). Dann nur das Stichwort ND-Filter zu liefern, ist für den Unbedarften m. E. zu knapp und die Möglichkeit, alternativ per Software nachhelfen zu können fehlt. In weiten Teilen sind mir die Tipps nicht nur zu unkonkret, Zusammenhänge wenig erläutert, sondern gelegentlich auch mißverständlich, wenn nicht gar falsch — zum Beispiel:

Wählen Sie einen Aufnahmestandpunkt, bei dem Sie mit größtmöglichem Weitwinkel noch ausreichend Entfernung zum Objekt haben. (S. 12)

oder

Wählen Sie im Zeitautomatik-Modus (AV) eine Belichtungszeit, um die dunklen, im Schatten liegenden Details des Gebäudes aufzunehmen. (S. 18)

Ich kann mir denken, was gemeint ist, aber das hilft einem Einsteiger ja nicht wirklich weiter. Sicherlich würde manches klarer, wenn gelegentlich ein Setup — also die Aufnahmesituation vor Ort inkl. Ausrüstung — abgebildet und erklärt würde. Dies ist ein Fotobuch, in dem kein einziger Ausrüstungsgegenstand abgebildet ist. Da wundert es auch nicht mehr, daß ein Fotograf(!) bei seinem Fotobuch auf Der Autor nutzt Stockfotos... (S. 61)Stockfotos von anderen Fotografen zurückgreift (und als Autor nicht auf dem Titel steht).

Der Autor nutzt Stockfotos… (S. 61)

Der Teil zur Immobilien-Fotografie ist insgesamt deutlich verständlicher, punktet vor allem mit Erläuterungen zum nicht-fotografischen Aspekten, um das Motiv in Szene zu setzen. Ob jemand mit Kompaktkamera oder Einsteigerausrüstung die äußerst schwierige Situation in geschlossenen Räumen so meistern kann, ist m. E. fraglich.

Fazit

Ich habe das ungute Gefühl, daß man bei diesem Buch vieles nur versteht, wenn man es schon kennt. Besonders der Reiseteil überzeugt mich nicht, gibt bestenfalls Hinweise, nach welchen Stichworten man für detailliertere Information googeln könnte. Irritierend, daß ein Fotograf dabei auch noch auf Stockfotos zurückgreifen muß… Der Immobilienteil ist stimmiger, entweder die wahre Leidenschaft des Fotografen oder mit professioneller Hilfe durch den Sponsor

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