Alte Fotos colorieren mit X-Color-Effects [Praxistest]

Es war einmal vor langer, langer Zeit, das sind Fotos fast alle “nur” schwarzweiß. Und obwohl schwarzweiß derzeit eine Renaissance erlebt, gibt es doch Gelegenheiten, bei denen man davon gern ein Farbfoto hätte. Doch auch mit Photoshop ist das nachträgliche Colorieren von Bildern eine fummelige Fleißarbeit.

Der Charme der Fotografie

Der Charme der alten Fotos.

Die Software “X Color Effects” verspricht geniale Farbeffekte für Schwarzweißfotos. Gerade wird es in einer Aktion für sparsame 49 Euro als Downloadversion angeboten (für Windows und Mac, statt sonst 69 Euro). Kann es die Erwartungen erfüllen?

Der Funktionsumfang verspricht eine farbliche Bearbeitung von Farb- oder Schwarzweißbildern:

  • Schwarzweiß-Bilder einfärben
  • Farbbilder entfärben oder neu einfärben
  • Angesagte Retro-Effekte, Cool-Style oder Sepia-Tönungen anwenden
  • Bleistift-Zeichnungen im Manga-Style ein- oder umfärben
  • Als eigenständiges Programm oder Plugin für Photoshop & Co.
  • Für PC & Mac

Da ich gerade für eine Feier ein paar alte Familienbilder scanne, möchte ich das Colorieren eines alten Schwarzweißfotos aus dem Familienalbum ausprobieren. Das habe ich schonmal mit Photoshop gemacht, was zwar nicht besonders kompliziert ist, aber doch eine fummelige Fleißarbeit.

Colorierung

Doch wie macht man das mit X Color Effects? Zuerst muß man ein paar Stolpersteine meistern. Wie so oft gibt es — scheinbar — kein Handbuch, bei einem Klick auf das Fragezeichen in der Menüzeile tut sich (bei mir) nichts. Es hat sich bewährt, einen Blick in den Programme-Ordner zu werfen. Dort findet sich auch in diesem Fall eine HTML-Kurzanleitung (Deutsch und Englisch), die einen auf den richtigen Weg bringt. Angenehme Überraschung: Statt sich zum Laden eines Fotos erst durch Dateisystem wühlen zu müssen, kann man es gleich per drag & drop aus einem Verzeichnis auf das Bearbeitungsfenster der Software ziehen.

Das Geheimnis der Colorierung

Das Geheimnis der Colorierung.

Der Ansatz bei X Color Effects ist überraschend einfach: Man malt mit einem Zeichenwerkzeug einfach die gewünschten Farben locker aus dem Handgelenk ins Foto. Im Vorteil ist, wer schon im Kindergarten ein Streber ist und nicht über die Ränder malt — besser sogar großzügig Abstand zu halten. Bereiche, die ausgespart werden sollen, umkringelt man extra. Eine grobe Colorierung gelingt dann schon sehr gut mit den Standardeinstellungen in der Vollansicht.

Tipp: Bei großen Flächen sollte man versuchen, einen geschlossenen Zug zu malen, damit die Farbe nicht “ausläuft”.

Mit dem kleinen Dreieck, das an einen “Play”-Button erinnert, wird der Colorierungsvorgang gestartet. Wenn man mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden ist, kann man jederzeit wieder zur Vorlage wechseln und dort Linien löschen oder ergänzen und sich so an das gewünschte Ergebnis herantasten. Auch in der finalen Ansicht hat man noch einige Bearbeitungsmöglichkeiten, um beispielsweise mit einem weichen Pinsel Flächen auszubessern — Farbbibliothek macht Vorschläge zur Colorierungich empfehle allerdings, bereits im “Linienmodus” entsprechend sorgfältig zu arbeiten.

Farbbibliothek macht Vorschläge zur Colorierung

Dreh- und Angelpunkt ist eigentlich die sogenannte Farbbibliothek. Hinter den den vielen Bezeichnungen wie “Metalle”, “Steine”, “Himmel” oder “Mensch” verbergen sich keine Texturen, sonder Farbskalen, die dem Benutzer helfen sollen, eine geeignete Farbe auszusuchen. Die Farbauswahl wird dabei natürlich nicht mit 100 Prozent Deckung drübergebügelt, sondern in Abhängigkeit mit dem vorhandenen Graustufen zu einer Einfärbung verknüpft, so daß Strukturen erhalten bleiben. Dementsprechend ist das Ergebnis schlecht vorhersagbar, einen bestimmten Farbton zu treffen schwierig und je nach Graustufen leider bisweilen auch nicht möglich. Eine Grenze stellt auch die Sättigung der Vorlage dar: Ist der Himmel nur noch eine weiße Fläche, kann man ihn auch nur entsprechend blaß umfärben. Kräftige Farben sind generell schwierig. Mit dem “Zauber-Füllwerkzeug” kann man allerdings eine Farbmarkierung aufnehmen und eine neue Farbe zuweisen, entweder um die Helligkeit zu steuern oder doch aus blau letztlich grün zu machen.

Feinarbeit

Wenn man einmal ein Gefühl für die Funktionsweise bekommen hat, möchte man gern auch ein paar Details herausarbeiten, zum Beispiel die Chromleisten beim Auto. Dazu gibt es ein Zoom, das man im “Navigator” per Schieberegler oder Ausklappliste einstellen kann. Über einen roten Rahmen kann man dabei auch den Ausschnitt wählen. Prima ist dabei, daß man wie in anderen Bildbearbeitungen üblich, im Zoom-Modus durch Drücken der Leertaste das Bild verschieben kann, ohne zu den Scrollbalken des Arbeitsfensters wechseln zu müssen. So kann man sich auch in der 400-Prozent-Ansicht Stück für Stück vorarbeiten.

Tipp: Das genaue “Erraten” der einzufärbenden Bereiche durch die Software gelingt oft besser, wenn man immer auch angrenzende Flächen grob mit einer Farbe versieht, wie beispielsweise beim Hintergrund, Untergrund oder einem Fotorand. Es gibt darüber hinaus auch ein “unverändert lassen”-Werkzeug mit dem man geschützte Bereiche markieren kann.

In einem zweiten kleinen Test möchte ich ein Auto umfärben. Hierbei ist das Vorgehen im Prinzip dasselbe: Mit einem farbigen Stift fährt man die Konturen ab, umkringelt beispielsweise Scheinwerfer und Scheiben und legt ggf. geschützte Bereiche um Reifen und Felgen an. Damit ist es ganz einfach, aus einem silbergrauen Langweiler einen roten Flitzer zu machen. Die Grenzen findet dieses Vorgehen allerdings ebenfalls durch die Farbgebung der Vorlage, denn aus dunklen Flächen lassen sich nur bedingt helle zaubern, umgekehrt sind kräftige Farben nur bedingt möglich.

Fazit

Sicherlich kann man dies alles auch mit Photoshop machen und möglicherweise auch “besser” (wenn man einmal Preis und Bedienung außer Acht läßt). Aber so einfach wie mit dem Spezialisten X Color Effects eine Colorierung schlicht mit ein paar ins Bild gekritzelten Farblinien zu machen, ist mit den bekannten Bildbearbeitungsboliden nicht möglich. Dabei ist das nicht nur Ergebnis überzeugend (wenn nicht auf exakte Farben Wert legt), gerade bei der Colorierung der alten Schwarzweißbilder hat es sogar einen großen Fun-Faktor.

[Kurzinfo]

  • Mit “X Color Effects” (aka “Akvis Coloriage”) kann man Fotos farblich bearbeiten, zum Beispiel alte Schwarzweißbilder colorieren. Die Software ist als Stand-alone, Photoshop-Filter oder Colorpaint-Plugin verfügbar.
  • Autor: Akvis | Sprache: deutsch, englisch | Windows, Mac | Lizenz: 10 Tage Test / 49 bzw. 69 Euro | Homepage: http://akvis.com/de/index.php?ref=help

 

(Die Software wurde vom Hersteller/Verkäufer ohne redaktionelle Auflagen als kostenlose Teststellung zur Verfügung gestellt. Test an Hand er Windows-Version unter Vista.)

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