50 mm Objektiv: Alte Technik vs. neu & preiswert. [Update]

Obwohl “Gummilinsen” immer leistungsfähiger werden (siehe bsplw. Tamron 18 – 270 mm), erleben Festbrennweiten Auch ein altes Objektiv kann noch gute Dienste leisten.gerade bei anspruchsvollen Fotografen eine Renaissance. Blöd nur, daß diese auch noch deutlich teuerer als universelle Zoomobjektive sind.

Auch ein altes Objektiv kann noch gute Dienste leisten.

Ist so ein Objektiv auch für mich interessant? Wer schon etwas länger dabei ist, hat vielleicht noch einen vergessenen Klassiker im Regal liegen. Ich habe beispielsweise noch ein 50-mm-Objektiv mit M42-Anschluß, das man per Adapter auch an eine moderne Canon EOS mit EF-Bajonett anschließen kann. Damit sammele ich Erfahrungen und entdecke manche vergesse Aufnahmetechnik aus analogen Tagen neu: Weiches Freistellen via Schärfentiefe und eine beeindruckende Schärfe gerade im Nahbereich. Bei einer Kamera mit kleinerem APS-C-Chip wird ja auch nur die gute Bildmitte verwendet.

Andererseits ist die Handhabung zum Teil recht umständlich, weil sowohl die Fokussierung als auch die Blende immer manuell nachgeführt werden müssen und dies sogar umständlicher als bei einer passenden alten Kamera ist. Ich entschließe mich deshalb ein aktuelles Objektiv anzuschaffen. Doch welches?

Warum tut man sich das an? Technischer Vorteil ist die z. T. deutlich höhere Lichtstärke. Als Teil eines Zooms bekommt man 50 mm nicht besser als mit f 2,8, oft eher mit f 4 oder sogar f 5,6 — das sind bis zu drei Blenden- bzw. zwei Zeitstufen, die überhaupt erst für ausreichend Licht für eine Aufnahme sorgen.

Aus gestalterischer Sicht freut man sich darüber hinaus über die geringe Schärfentiefe mit der man Motive vom störenden Hintergrund ablösen kann. Oder man im entscheidenden Moment eine kürzere Verschlußzeit. Auch dem Bildausschnitt und der damit der Bildgestaltung kommt zu Gute, daß nicht einfach am Zoom-Ring gedreht wird, sondern “Gestaltung per Turnschuh” notwendig wird.

Welches 50er paßt?

Die Auswahl ist überraschend groß: Allein Canon hat drei Modelle (plus ein Makro) von ca. 100 bis 1.400 Euro im Angebot, alle Vollformat und mit einer Lichtstärke bis f 1,2. Bei Nikon geht es ebenfalls bei etwas über 100 Euro los, man muß aber DX, FX und andere Besonderheiten beachten. Sigma bietet ein lichtstarkes 1,4er für rund 450 Euro sowie ein preiswerteres Makro um die 300 Euro (allerdings nur mit f 2,8). Tamron ist in diesem Bereich nur mit einem relativ lichtstarken Zoom 17 – 50 mm vertreten (durchgehend f 2,8).

Bei Canon sind die Preisabstände ungefähr folgendermaßen:

  • 1,8 für ca. 100 Euro
  • 1,4 für ca. 325 Euro (bis 20.1.2013 mit Cashback)
  • 1,2 für ca. 1.400 Euro

Für mich infrage kommen nur die ersten beiden Positionen — wobei die 1/3 Blende Lichtstärke nicht entscheidend ist. Das mittlere Objektiv hat (Mikro-) USM und wirkt insgesamt wertiger… Aber gut 200 Euro Aufschlag dafür sind auch nicht zu vernachlässigen — und ich entscheide mich für das 99-Euro-Schnäppchen. In den meisten Rezensionen bekommt es gute Kritiken (z. B. 4,4 von 5 Sternen bei Amazon). Ich habe die Vermutung, daß Canon noch aus Analogzeiten das “Normalobjektiv” auf Lager hat, es aber absichtlich ein wenig auf “Ramsch” trimmt, um auch die kostspieligeren Optiken an den Mann bringen zu können.

Vergleich alt gegen neu

Tatsächlich fühlt sich das neue Objektiv nach dem Auspacken ein wenig wie “Joghurtbecher” an, sehr leicht und im wesentlichen ein schwarzer Tubus. Aus diesem Grunde stelle ich es meinem Klassiker gegenüber, der sich insgesamt viel wertiger anfühlt. Wo liegen tatsächlich die Unterschiede?

 

Revue Canon

Revue vs. Canon

Bezeichnung Auto Revuenon 1.8/50 Multi Coating Canon Lens EF 50 mm 1:1.8 II
Bauart Vollformat
M42 (mechanisch)
Vollformat
Canon EF (eletronisch)
Preis damals ca. 50 Euro Aufpreis zur Kamera (fast aktueller Gebrauchtpreis) 100 Euro
Alter ca. 30 Jahre aktuell
Gewicht 253 g
(inkl. M42-Adapter)
124 g
Höhe
Filterdurchmesser 49 mm 52 mm
Lichtstärke
(kleinste Blende)
1 : 1,8 (16) 1 : 1,8 (22)
Naheinstellgrenze 0,33 m 0,45 m
Brennweite 50 mm
(“80 mm” APS C)
50 mm
(“80 mm” APS C)
Bildstabilisator nein nein
Autofokus nein (manuell) ja (Mikromotor)
Belichtungs-
steuerung
Arbeitsblende Offenblende
Exif feste Daten des Adapters (wenn mit Chip) ja
alle Angaben ohne Gewähr

Das leichte Befremden gegenüber dem preiswerten Objektiv liegt vermutlich nur an der Haptik: Das geringe Gewicht, keine Skalen, einfach nur ein schwarzer Tubus, vermitteln einen “billigen” Eindruck. Sicherlich ist die Kunststoffkonstruktion auch nicht für den Profialltag geeignet, wo sie in der Fototasche vielleicht einmal unsanft mit einem lichtstarken — schweren — 200-mm-Objektiv kollidieren könnte… In der (Amateur-) Praxis ist allerdings nichts gegen das Objektiv zu sagen. Die Schärfe ist gut, man kann mit Tiefenschärfe spielen, der Autofokus ist auch mit Mikromotor schnell genug (macht allerdings die typischen Geräusche). In Verbindung mit einem APS-C-Sensor sind mir die 50 mm wg. des Crop-Faktors allerdings etwas zu “telig”.

Ein Nachteil gegenüber meinem Klassiker ist auch die Naheinstellgrenze von nur 45 cm, die manches “close up” verhindert. Für Nah- und Makro-Aufnahmen habe ich inzwischen zwar ein Set Zwischenringe dabei, aber bei Reportage/Streetfoto ist zu einem “Umbau” keine Zeit, zumal dabei zwangsläufig “unendlich” wegfällt. Leider ist dies auch beim nächst besseren Objektiv nicht günstiger, es bleibt bei 0,45 m, ebenso beim teuersten wie beim Sigma…

Da stellt sich wieder einmal die Frage: Doch aufs teurere Vollformat wechseln oder ein lichtstarkes 35-mm-Objektiv anschaffen? Nach 20 Jahren “Analog” (=Vollformat) stößt man immer wieder an solche Grenzen.

[Update]

Irgendwie ähnlich und doch ganz anders Canon EOS 5d mit Leica Notilux f1/50 mm (Quelle: a. a. O.)geht es beim “Canon-Leica-Mod” zu: Um das lichtstarke Leica Noctilux f1/50 mm an einer Canon EOS 5d nutzen zu können, baut Benson die Kamera radikal um.

Canon EOS 5d mit Leica Notilux f1/50 mm
(Bild: Robert Benson)

Es muß dazu nicht nur der Anschluß geändert werden, sondern auch das Auflagemaß. Das Ergebnis sieht schon etwas skurriel aus. Der Tüftler ist allerdings der Meinung, daß ihn dies preiswerter komme als eine original Leica und das Ergebnis besser sei.

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