31,50 Dollar fürs Titelbild — davon kann kein Fotograf leben.

Stockfotos werden auf “gut Glück” oder “auf Vorrat” gemacht und über Agenturen vertrieben. Motor ist einerseits die bequeme Verfügbarkeit über das Internet, anderseits die inzwischen sehr gute Qualität von Digitalfotos ohne allzu teures technisches Equipment. Es sind dem Konzept entsprechend weniger aktuelle Fotos als vielmehr Symbol– oder Schmuckbilder. Da die Honorare im Cent-Bereich beginnen und nicht selten bereits im niedrigen zweistelligen Euro-Bereich enden, ist dies ein Tummelplatz primär für Amateure.

Die Karriere eines Stockfotos: Aufs Titelblatt für 31,50 Dollar. (Quelle: Petapixel)

Die Karriere eines Stockfotos: Aufs Titelblatt für 31,50 Dollar.
(Quelle: Petapixel)

Vor einiger Zeit stoße ich auf einen Beitrag, der Chancen und Risiken der Stockfotografie verdeutlicht: Das Titelbild derTime (Ausgabe vom 27. April 2009) ziert ein Stockfoto — was für ein Erfolg über den die Website Petapixel in “The Going Rate for a Time Cover Photo” ausführlich berichtet.

Denn dieser Erfolg hat leider auch seine Schattenseiten. Er zeigt eine Tendenz unter der immaterielle und intellektuelle Leistungen zunehmend leiden: Ein offiziell vergebener Fotoauftrag für eine Titelseite wie diese wäre mehrere Hundert (oder sogar mehrere Tausend) Euro wert — von denen ein Berufsfotograf leben und alle Kosten bestreiten muß. Ein Stockfoto von einem Hobbyfotografen muß nicht schlechter sein, aber durch die damit einhergehenden — und, weil man davon ja nicht davon leben muß — auch “akzeptierten” Dumping-“Honorare” ist das Titelbild der “Time” für lt. Slate 31,50 Dollar zu haben.

Coins in the Glass bei iStockphoto (Quelle: a. a. O.)

Coins in the Glass bei iStockphoto
(Quelle: a. a. O.)

Knackpunkt dürfte sein, daß sich das Gebührenmodell hauptsächlich nach der zur Verfügung gestellten Bildqualität (Auflösung) richtet und die Nutzung nur ansatzweise berücksichtigt (und vor allem nicht für solch einen Fall). Trotzdem ist das Gebührenmodell schwer durchschaubar, denn es wird zusätzlich nach “Credits” und unterschiedlichen “Zahlungsmodellen” abgerechnet (z. B. Einzelkauf oder Abo). Gebührentabelle für Credits (Quelle: iStockphoto)Im Zahlungsmodell “Pay-as-you-go” ist das z. Zt. etwa 1 Euro/Credit.

Gebührentabelle für “Credits”
(Quelle: iStockphoto)

Aber laut Infobox zum Foto kann man bei diesem Foto nicht mehr als 560 “Credits” investieren — viel, wenn man die Vereinszeitschrift illustrieren möchte (und da wären auch nicht alle Optionen notwendig), geschenkt, wenn es um die Titelseite einer renommierten Zeitschrift geht.

Es ist die Frage, ob man da nicht nachträglich ein angemessenes Honorar verlangen könnte (wegen der Unerfahrenheit des Autors und weil dies auch von ihm so bestimmt nicht beabsichtigt war).

Dies mag zwar ein Extrembeispiel sein, ist aber in der Tendenz kein Einzelfall. Denn während Verleger hierzulande wg. eines zweifelhaften Leistungsschutzrechtes jammern, werden bei Autoren die Daumenschrauben angezogen.

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